Jüdisches Leben in Sondershausen

Schon im Mittelalter lebten Juden in Sondershausen. Neben wenigen schriftlichen Quellen erbrachten archäologische Grabungen mit dem Fund einer Mikwe aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts den Nachweis für die Ansiedlung von Juden in vorstädtischer Zeit.

Nach dem Pestpogrom von 1349 ist erst am Ende des 17. Jahrhunderts wieder jüdisches Leben in Sondershausen nachweisbar. Unter der Herrschaft des 1697 in den Reichsfürstenstand erhobenen Grafen Christian Wilhelm von Schwarzburg-Sondershausen (reg. 1666-1720), der mit großem Aufwand den Ausbau seiner Residenz zur barocken Hofhaltung betrieb und von 1695 einen „Hofjuden“ in seine Dienste nahm, erhielten die Sondershäuser Juden den Status von Schutzbürgern. Sie verfügten über eine Betstube und legten 1699 vor den Toren der Stadt einen jüdischen Friedhof an, der 1884/85 nochmals erweitert wurde und bis heute erhalten ist.

Während des 18. Jahrhunderts blieb die Gruppe der Schutzgeld zahlenden Gemeindemitglieder, deren Zahl zwischen drei und dreizehn Familien schwankte, einer diskriminierenden Sondergesetzgebung unterworfen. Erst durch die nach der Wende zum 19. Jahrhundert einsetzende Liberalisierung der Schwarzburg-Sondershäuser Gesetzgebung, besonders durch die Verfassungswerke von 1841 und 1849, erlangten die Juden des Landes nach und nach uneingeschränkte Bürgerrechte. Für die rasch anwachsende Gemeinde wurde 1825/26 eine Synagoge errichtet und von 1845 an mit Philipp Heidenheim (1814-1906) ein Rabbiner eingestellt, der den Prozess der Emanzipation maßgeblich lenkte und förderte. (Bild: Plan von Helmut Röttig, Sondershausen)

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts gehörten ca. 40 Familien der jüdischen Gemeinde von Sondershausen an, danach sank die Zahl der Gemeindemitglieder durch Todesfälle und Wegzug, namentlich der Jugend, so weit, dass nach dem Tode Philipp Heidenheims im Jahre 1906 die Rabbinerstelle nicht mehr besetzt wurde.

Im geistigen und im Wirtschaftsleben der Stadt spielten die Mitglieder der jüdischen Gemeinde noch bis zum Ende der Weimarer Republik eine bedeutende Rolle. Nach 1933 begann ihre systematische Ausgrenzung und Entrechtung bis hin zu Vertreibung und Deportation. Am 9. November 1938 wurde die Sondershäuser Synagoge geschändet; in den folgenden Tagen sind im Rahmen der sogenannten „Judenaktion“ die männlichen Mitglieder der Gemeinde in das KZ Buchenwald verschleppt worden. Unter massivem Druck der Behörden mussten von 1938 an jüdische Bürger der Stadt ihre Geschäfte, Wohnhäuser und Privatgrundstücke an „arische“ Interessenten abtreten. Mehrere Familien verließen das Land, sie emigrierten nach England, Neuseeland, Amerika, China und Palästina. Von 1942 an wurden die in der Stadt verbliebenen Juden deportiert. Die jüdische Gemeinde von Sondershausen ist während des Holocaust ausgelöscht worden.

Die wenigen bis heute erhaltenen Zeugnisse jüdischen Lebens der Region werden von der Stadt Sondershausen bewahrt und für die Öffentlichkeit erschlossen. Die mittelalterliche Mikwe im Zentrum der Altstadt und der jüdische Friedhof am Spatenberg sind im Rahmen von Führungen erlebbar.

Am Standort der 1945 durch Bombenangriff schwer beschädigten und später abgerissenen Synagoge wurde eine Gedenktafel angebracht.

Die Mikwe von Sondershausen

Während einer Grabungskampagne des Thüringischen Landesamtes für Archäologische Denkmalpflege Weimar wurden 1998/99 am westlichen Rand des Altstadtkerns die Reste einer mittelalterliche Mikwe gefunden.

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Bild: Mikwe und Stadtbefestigung während der Ausgrabung

Das schlichte rechteckige Grundwasserbecken mit Treppenzugang und einer ursprünglichen Tiefe von ca. 1,6 m ist unter einem zylindrischen barocken Brunnenschacht entdeckt und freigelegt worden. Begleitfunde ermöglichten eine Datierung in das ausgehende 13. Jahrhundert, also in die Zeit vor der Stadterhebung durch die Grafen von Honstein und die Errichtung des ältesten Stadtmauerrings um 1300. Zerstörungsspuren deuten auf eine Aufgabe des Beckens um die Mitte des 14. Jahrhunderts, vermutlich in Zusammenhang mit den auch in Sondershausen nachweisbaren Pestpogromen von 1349. (Bild: Mikwe und Stadtbefestigung während der Ausgrabung, Thüringisches Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege, Archiv)

Das Sondershäuser Ritualbad gehört zum Typ der sogenannten Kellermikwen, die – anders als die aufwendiger ausgestalteten Monumentalmikwen – nicht Teil eines eigenständigen Badehauses sind, sondern schlichte, rein funktional angelegte Badebecken innerhalb privater oder öffentlicher Gebäude darstellen. Fragmente eines Überbaus, an dessen westlicher Flanke die Stadtmauer entlang geführt wurde, konnten archäologisch nachgewiesen werden. Nach ihrer Aufgabe Mitte des 14. Jahrhunderts scheint die Mikwe in Vergessenheit geraten zu sein. Das Becken, das bis heute durch Grundwasser gespeist wird, wurde vermutlich im Laufe des 17. Jahrhunderts mit einem Brunnen überbaut. Die jüdische Gemeinde, die sich am Ende des 17. Jahrhunderts in der Residenzstadt neu etablierte, hat schriftlichen Quellen zufolge eine heute nicht lokalisierbare Mikwe in einem Privathaus genutzt. Für das 19. Jahrhundert ist ein jüdisches Badehaus im östlichen Altstadtgebiet belegt. Mit zunehmender Emanzipation der Gemeinde dürfte am Ende des 19. Jahrhunderts der Gebrauch der Mikwe weitgehend aufgegeben worden sein.

Bild: Ausstellungsraum mit Mikwe und Stadtmauerfundament

Die Sondershäuser Mikwe, die neben der 2007 nahe der Krämerbrücke in Erfurt aufgefundenen Mikwe zu den ältesten erhaltenen jüdischen Ritualbädern Mitteldeutschlands zählt, wurde mit einem Teil des angrenzenden Stadtmauerfundaments in situ erhalten, in den Neubau des Einkaufszentrums „Galerie am Schlossberg“ integriert und ist als externer Ausstellungsraum des Schlossmuseums Sondershausen im Rahmen von Führungen (nach Anmeldung) zu besichtigen. Die Ausstellung erhielt 2002 den Denkmalspreis des Landes Thüringen. (Bild: Ausstellungsraum mit Mikwe und Stadtmauerfundament, Foto: Helmut Röttig, Sondershausen)

Führungen über

Der Jüdische Friedhof in Sondershausen

Wo die mittelalterlichen Juden, die bis zu den Pestpogromen von 1349 in Sondershausen ansässig waren, ihre Toten bestatteten, ist nicht bekannt. Der heute erhaltene jüdische Friedhof am Spatenberg wurde am Ende des 17. Jahrhunderts angelegt, als sich unter der Herrschaft des 1697 in den Fürstenstand erhobenen Landesherren Christian Wilhelm von Schwarzburg-Sondershausen (reg. 1666–1720) eine jüdische Gemeinde neu zu formieren begann.

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Bild: Der jüdische Friedhof von Sondershausen, alter Teil

1699 erwarb der Sondershäuser Schutzjude Alexander Cantor ein Stück Gartenland auf einem bewaldeten Berghang südlich der Stadt und stellte es der Gemeinde als Begräbnisstätte zur Verfügung. Der Grabstein des 1726 verstorbenen Alexander ist erhalten und gehört zu den ältesten Stelen des Sondershäuser Friedhofs.Das schon um 1860 weitgehend gefüllte und in den folgenden beiden Jahrzehnten durch Anlage zusätzlicher Grabreihen entlang der Grundstücksgrenzen schließlich voll belegte Gelände wurde 1884/85 durch Ankauf eines östlich anschließenden Berggartens erheblich erweitert. Ein breiter Mittelweg trennt heute den alten und den neuen Friedhofsteil. (Bild: Der jüdische Friedhof von Sondershausen, alter Teil, Foto: Helmut Röttig, Sondershausen)

Während auf dem alten Teil des Friedhofs zumeist schlichte, hebräisch oder zweisprachig beschriftete Stelen aus heimischem Muschelkalk oder Sandstein in unregelmäßigen, einst dicht gedrängten, doch jetzt lückenhaften Reihen erhalten sind, spiegelt der neue Friedhofsteil mit seiner klaren Gliederung und größeren Formenvielfalt die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmende gesellschaftliche Assimilation der jüdischen Gemeindetraditionen an die christliche Umwelt wider. Ein nach Osten auf die Fundamente der 1988 abgerissenen  Begräbnishalle ausgerichteter Mittelweg trennt hier zwei große Grabfelder, in denen sich neben einfachen Stelen auch aufwendig gestaltete Grabsteine aus Granit, Basalt oder Marmor, repräsentative Familiengrabstätten und Grabtempel mit überwiegend deutschen Inschriften finden. Die jüngste erhaltene Grabinschrift stammt aus dem Jahre 1939.

Bild: Der jüdische Friedhof von Sondershausen, neuer Teil

Auf Betreiben der nationalsozialistischen Behörden wurde der jüdische Friedhof 1943 als Berggarten zum Verkauf angeboten; da sich bis Kriegsende kein Käufer fand, blieb die Begräbnisstätte vor Entweihung und Zerstörung bewahrt. Anstelle der im Holocaust ausgelöschten Sondershäuser Gemeinde verwaltet heute die jüdische Landesgemeinde Thüringen (mit Sitz in Erfurt) die Anlage, auf der noch 180 Grabstellen nachweisbar sind. Die Stadt Sondershausen pflegt und erhält den Friedhof als Erinnerungsstätte. (Bild: Der jüdische Friedhof von Sondershausen, neuer Teil, Foto: Helmut Röttig, Sondershausen)

Bild: Festschrift „Juden in Schwarzburg“

Eine ausführliche Dokumentation des jüdischen Friedhofs wurde 2006 als Band 2 der Festschrift „Juden in Schwarzburg“, bearbeitet von Nathanja Hüttenmeister und herausgegeben vom Schlossmuseum Sondershausen, publiziert. Über die Datenbank des Salomon-Ludwig-Steinheim-Instituts Duisburg „epidat“ ist die Dokumentation auch online verfügbar.

Literatur:
Juden in Schwarzburg. Festschrift zu Ehren Prof. Philipp Heidenheims (1814-1906), Rabbiner in Sondershausen, anlässlich seines 100. Todestages, Band 1: Beiträge zur Geschichte der Juden Schwarzburgs (Autorenteam), Bd. 2: Der jüdische Friedhof von Sondershausen (bearbeitet von Nathanja Hüttenmeister), Dresden und Sondershausen 2006 (ISBN 3-937602-74-7).

Die Synagoge von Sondershausen

Eine Betstube der jüdischen Gemeinde in Sondershausen wird erstmalig 1698 erwähnt. In einer Beschwerdeschrift an die fürstlichen Behörden beklagt der Sondershäuser Superintendent Georg Friedrich Meinhardt (1651-1718), dass die Juden in „Alexanders Hause“ ihren Gottesdienst abhalten und ihre Kinder durch einen Schulmeister unterrichten lassen.

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Einer mündlichen Überlieferung zufolge soll das Haus des Alexander, der vermutlich mit dem Stifter des 1699 gegründeten jüdischen Friedhofs identisch ist, im westlichen Teil der heutigen Hauptstraße gestanden haben. Nach 1700 fanden Gottesdienst und Schule im Haus des Hofjuden Philipp Abraham Wallich am nordwestlichen Ende der Bebrastraße statt. Diese Tradition wurde auch nach dem Tode Wallichs 1740 noch bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein beibehalten.

Nach der Jahrhundertwende erforderte die stetig wachsende Zahl der Gemeindemitglieder die Schaffung angemessener Räumlichkeiten für den Gottesdienst. Auf einem Grundstück hinter dem gemeindeeigenen Schulhaus in der nordöstlichen Bebrastraße, unweit der alten Betstube, errichtete die jüdische Gemeinde 1825 eine Synagoge, einen schlichten, einschiffigen Hallenbau mit Empore, der am 1. September 1826, nach einjähriger Bauzeit, eingeweiht wurde. Das nur über das Vorderhaus und den angrenzenden Hof erreichbare Gebäude, ein verputzter Fachwerkbau mit einer Grundfläche von 13,5 x 8,5 Metern und einer Traufhöhe von 7 Metern, war über ein Portal an der westlichen Schmalseite zugänglich und wurde an den Längsseiten durch je sechs Fenster (angeordnet in drei Achsen), auf der östlichen Schmalseite, oberhalb des Thoraschreins, durch ein repräsentatives kreisrundes Fenster erhellt. Unter Rabbiner Philipp Heidenheim (1814-1906), der 1845 zum Seelsorger der Gemeinde berufen worden war und das Amt bis zu seinem Tode 1906 ausübte, wurde hier deutsch gepredigt und der Gottesdienst durch Instrumentalmusik (belegt ist die Anschaffung einer Physharmonica) begleitet.

Bis zu ihrer Schändung am 9. November 1938 blieb die Synagoge das geistige und religiöse Zentrum der Gemeinde. Während des Bombenangriffs auf Sondershausen am 8. April 1945 schwer beschädigt, wurde das Gebäude beim Abriss der Häuser Bebrastraße 6 bis 8 um 1960 niedergelegt. Bis zum Bau des über dem einstigen Altstadtareal errichteten Einkaufszentrums „Galerie am Schlossberg“ 2001/2002 lag die Fläche brach.

Heute erinnert eine Gedenktafel an der Westfassade des Neubaus an den einstigen Standort der Synagoge und ihr Schicksal.

Prof. Philipp Heidenheim

Lehrer an der fürstlichen Realschule und Rabbiner der jüdischen Gemeinde von Sondershausen (14.06.1814–14.06.1906)

Philipp Heidenheim wurde am 14. Juni 1814 als Sohn eines Hausierers in Bleicherode geboren.

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Porträt Rabbiner Prof. Philipp Heidenheim, um 1880, Schlossmuseum Sondershausen, Fotoarchiv

Im Haus einer wohlhabenden Bleicheröder Bankiersfamilie erhielt der Knabe, der sich schon in frühester Jugend durch Begabung und Lerneifer auszeichnete, Unterricht durch einen Privatlehrer; später absolvierte er eine Ausbildung am Erfurter Lehrerseminar und trat 1834 zunächst eine Stellung als Hilfslehrer an der jüdischen Schule in Sondershausen an, übernahm aber schon 1837 die Leitung der Schule und das Predigeramt.
1839 heiratete er Lina Leser (1812-1897), Tochter des Hofagenten und früheren Gemeindevorstehers David Leser (1780-1843), die ihm in den folgenden Jahren sechs Kinder (vier Söhne und zwei Töchter) gebar. Der später weit verzweigten Familie entstammen mehrere in Wirtschaft und Wissenschaft namhafte Persönlichkeiten.

Als Pädagoge und als Geistlicher war Heidenheim ungewöhnlich erfolgreich. Nach Auflösung der jüdischen Schule erhielt er 1841 eine Anstellung als Lehrer an der fürstlichen Realschule, wo er nach vierzigjähriger Dienstzeit 1881 zum Professor ernannt und 1886 hochgeehrt in den Ruhestand entlassen wurde. Privat unterhielt er ein jüdisches Knabenpensionat, das im Laufe der Jahre mehr als 300 Schüler aus dem In- und Ausland aufgenommen haben soll, darunter Moritz Lazarus (1824-1903), Philosoph und Völkerpsychologe.

Nach mehrjährigem Selbststudium legte Heidenheim 1845 in Schönlanke im Großherzogtum Posen das Rabbinerexamen ab und wurde zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde von Sondershausen ernannt. Obwohl sich die fürstlichen Behörden nicht entschließen konnten, ihm den Titel eines Landesrabbiners zu verleihen, übte er dieses Amt mit der zeitweisen Betreuung der schwarzburg-rudolstädtischen Gemeinden von Frankenhausen und Immenrode de facto aus. Als Rabbiner erwarb sich Heidenheim besondere Verdienste bei der Durchsetzung zeitgemäßer Reformen; er gilt als wesentlichster Förderer des jüdischen Emanzipationsprozesses im Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen.

Nach mehr als siebzig Jahren im Dienst der Gemeinde starb er an seinem 92. Geburtstag, dem 14. Juni 1906, in Sondershausen und wurde auf dem jüdischen Friedhof der Stadt beigesetzt.

Der jüdische Friedhof von Immenrode

In Immenrode, das bis 1918 zum Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt gehörte (seit 2007 nach Sondershausen eingemeindet), war die größte jüdische Gemeinde des Landes ansässig.

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Bild: Der jüdische Friedhof in Immenrode vor Beginn der Arbeiten (2009), Schlossmuseum Sondershausen

Sie verfügte über ein Bethaus, eine Schule und ein Ritualbad (Mikwe) im Dorf sowie eine weit außerhalb des Dorfes gelegene Begräbnisstätte, den jüdischen Friedhof am Müllersberg.

Der jüdische Friedhof von Immenrode wurde im frühen 18. Jahrhundert angelegt und gehört zu den ältesten Thüringens. Die bis heute erhaltene und seit dem 19. Jahrhundert von einer Hecke umgebene Anlage gliedert sich in ein altes Gräberfeld mit zahlreichen Sockelfragmenten und ein neues Gräberfeld, in dem zwei Grabreihen mit mehreren aufwendig bearbeiten Stelen erhalten sind. (Bild: Der jüdische Friedhof in Immenrode vor Beginn der Arbeiten (2009), Schlossmuseum Sondershausen, Fotoarchiv)

Der Friedhof, Eigentum der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, wird von der Stadt Sondershausen erhalten und gepflegt. 2009 fand eine detaillierte Vermessung des Geländes und eine Planaufnahme der Grabstellen und Stelen statt, die fast ausnahmslos gestürzt und teilweise gebrochen waren. Mit Unterstützung durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie wurden 2010 die Stelen behutsam gereinigt und in situ gesichert sowie die in hebräisch und deutsch abgefassten Inschriften dokumentiert. Die Dokumentation der Grabstellen (Bearbeiterin: Nathanja Hüttenmeister, Salomon-Ludwig-Steinheim-Institut Duisburg) ist über die Datenbank "epidat" im Internet verfügbar und wird laufend aktualisiert.

Bild: Der jüdische Friedhof von Immenrode nach dem Aufrichten der Stelen

In einem weiteren Schritt konnten 2011 die umgesunkenen Stelen aufgerichtet und restauriert werden. 2012 sollen die über das Gelände verstreuten und keiner Grabstelle sicher zuzuordnenden Stelenfragmente geborgen und an einem Sammelplatz vor Ort neu aufgestellt werden, um weiteren Verlusten vorzubeugen.

Durch den behutsamen Umgang mit der erhaltenen Substanz und die Rekonstruktion zweier Grabreihen ist der seit den 1930er Jahren aufgegebene Friedhof als historische Begräbnisstätte wieder erkennbar und die Würde des Ortes bewahrt worden. (Bild: Der jüdische Friedhof von Immenrode nach dem Aufrichten der Stelen -2011-)