Schwarzburger

Schwarzburger Wappen

1356 beginnt für Sondershausen die 562jährige Geschichte des Hauses von Schwarzburg. Die Grafen (ab 1697/1710 Fürsten) von Schwarzburg haben über ein Jahrtausend die politische und kulturelle Entwicklung Thüringens mitbestimmt. Das Geschlecht der Schwarzburger wird bis ins 8. Jahrhundert zurückgeführt. Dessen erster urkundlich nachweisbarer Vertreter war Graf Sizzo III. (1123). Die Höhepunkte der dynastischen Entwicklung lagen im 14. und im 16. Jahrhundert. Am 30.01.1349 wurde Graf Günther XXI. (reg. 1324-49) in Frankfurt zum deutschen König gekrönt. Die zweite herausragende Persönlichkeit der Dynastie war Graf Günther XLI. – „der Streitbare“ -, der von 1552-83 regierte.

Das Mainzer Lehen Sondershausen kam erst spät in schwarzburgischen Besitz. Nachdem 1356 Graf Heinrich V. von Hohnstein ohne männlichen Nachkommen verstorben war, fiel Sondershausen aufgrund verwandtschaftlicher Beziehungen und eines Erbvertrages an die Schwarzburger. Dem in Sondershausen regierenden Grafen Günther XL. (reg. 1526-52) fielen durch Erbschaft (1537/38) alle schwarzburgischen Territorien mit Ausnahme der kleinen Herrschaft Leutenberg zu. Seine vier Söhne teilten 1571 das Land so unter sich auf, dass die Linien Schwarzburg-Arnstadt, -Sondershausen, -Frankenhausen und –Rudolstadt entstanden. Nach Erlöschen der Arnstädter und Frankenhäuser Linie 1583 bzw. 1598 kam es zur Bildung der Grafschaften Schwarzburg-Sondershausen und Schwarzburg-Rudolstadt, die 1697 bzw. 1710 den Status von Fürstentümern erhielten und als solche bis 1918 existierten.

Porträt Christian Wilhelm
Christian Wilhelm

Geb. am 06.01.1647
Vater: Graf Anton Günther I.
Mutter: Maria Magdalena, geb. Pfalzgräfin zu Birkenfeld

Weiterlesen …

  • Bereiste 1667-1679 weite Teile Deutschlands, die Niederlande, England, Frankreich und Italien
  • 1670 Regierungsübernahme
  • 1673 Vermählung mit Antonia Sibylla von Barby (geb. 1641, gest. 1684); 3 Söhne und 4 Töchter
  • 1685 Vermählung mit Wilhelmine Christiane von Sachsen-Weimar; 5 Söhne und 3 Töchter
  • 22.12.1691 Verleihung der Würde eines Kaiserlichen Hof- und Pfalzgrafen durch Kaiser Leopold
  • 03.09.1697 Erhebung in den Reichsfürstenstand

Bautätigkeiten:

  • Mitte der 1680er Jahre Beginn des Umbaus des Sondershäuser Renaissanceschlosses zur barocken Residenz bis Mitte der 1690er Jahre
  • um 1700 Anlegen des „Lustgartens“
  • 1709/10 Errichtung des Achteckhauses

20.04.1720 Abgabe der Regentschaft an seinen ältesten Sohn Günther.

Er starb am 10.05.1721.

Porträt Günther I.
Günther I.

Geb. am 13.08.1678
als dritter Sohn Christian Wilhelms und Antonia Sibyllas von Barby

Weiterlesen …

(seine älteren Brüder Anton Albert und August Wilhelm starben im Kindesalter)

unternahm von 1699 an eine der üblichen Bildungsreisen

  • 1712 Vermählung mit der Prinzessin Elisabeth Albertine vonAnhalt-Bernburg
  • 1731 Verbesserung der konfliktreichen politischen Beziehungen zu Sachsen – Weimar durch eine weitere vertragliche Klärung der komplizierten lehnsrechtlichen Verhältnisse

Bautätigkeiten:

  • Im Verlauf der 1720er Jahre Errichtung des Prinzenpalais am Sondershäuser Marktplatz für die Prinzen Rudolf und Christian (Bau war noch von Christian Wilhelm angeordnet worden)
  • In der ersten Hälfte der 1720er Jahre Umbau und Neugestaltung der Sondershäuser Schlosskirche im I. Obergeschoss des Nordflügels
  • Entstehung zahlreicher neuer Dorfkirchen
  • 1732-38 Entstehung des Jagdschlosses “Zum Possen” in der Nähe Sondershausens auf der Hainleite
  • In Arnstadt ließ Günther 1729-34 das Fürstliche Palais als Witwensitz für seine Gemahlin bauen

Am 28.11.1740 starb Günther ohne Nachkommen zu hinterlassen.

Günther ist als der erste Fürst seines Namens in die Geschichte eingegangen. In der Abfolge aller schwarzburgischen Regenten, die den Namen Günther trugen, war er der XLIII. seines Namens. Dem landesväterlichen Anspruch, mit dem die Fürsten des 18. Jahrhunderts auftraten, ist er wohl am ehesten gerecht geworden.

Porträt Heinrich I.
Heinrich I.

Geboren am 08.11.1689
gehörte er zu den merkwürdigsten und umstrittensten Gestalten der schwarzburgischen Geschichte.

Weiterlesen …

Als erstgeborener Sohn aus zweiter Ehe Christian Wilhelms trat er 1740 als 51jähriger die Nachfolge seines ohne Nachkommenschaft verstorbenen Halbbruders Günther an.

Bedeutendstes politisches Ereignis seiner Regierungszeit war die Gewährung von Sitz und Stimme im Reichsfürstenrat für Schwarzburg-Sondershausen 1754. Erstmals konnte nun dieses juristisch schon 1576 zugestandene, jedoch aufgrund des Einspruchs der Wettiner nie praktizierte Recht in Anspruch genommen werden.

Er liebte es, eine Reihe außergewöhnlich großer und prächtiger Kutschen zu unterhalten. Erhalten ist die „Goldene Kutsche“ im Museum Sondershausen.

Heinrich starb am 06.11.1758 in Frankfurt „unvermählt, jedoch nicht ohne Nachkommen“.

Nicht zufällig wurde z. B. der aus Sondershausen gebürtige Dichter Johann Karl Wezel (1747–1819), dessen Eltern in Heinrichs Diensten gestanden hatten, schon zu Lebzeiten als vermeintlicher Sohn Heinrichs betrachtet.

Porträt Christian Günther
Christian Günther

Geboren am 24.06.1736
zu Ebeleben als Sohn des Fürsten August, dem drittältesten Sohn Christian Wilhelms und der Prinzessin Charlotte Sophie von Anhalt-Bernburg.

Weiterlesen …

1758 tritt Christian Günther 21jährig die Regierung an (da die Fürsten Günther und Heinrich ohne legitime Nachkommenschaft geblieben waren und der nun erbberechtigte August schon 1750 verstorben war).

Am 04.02.1760 Vermählung mit der Prinzessin Charlotte Wilhelmine von Anhalt-Bernburg (1737–77).

Zwischen 1760 und 1772 wurden drei Söhne und drei Töchter geboren.

Bautätigkeiten:

  • 1764 bis 1771 ließ er den Westflügel und den neuen Nordflügel des Sondershäuser Schlosses errichten.
  • Höhepunkt des Schlossneubaus wurde der in den schwarzburgischen Landesfarben (hellblau/weiß) gehaltene Rokoko-Festsaal.
  • 1772–74 Errichtung einer Orangerie und z. T. Neugestaltung des Parks
  • 1760–62 bauliche Instandsetzung des Jagdschlosses „Zum Possen“
  • 1781 Errichtung des 42 m hohen Possenturmes

Am 14.10.1794 starb Christian Günther nach 36jähriger Regierungszeit.

Porträt Günther Friedrich Carl I.
Günther Friedrich Carl I.

Geboren am 05.12.1760
Nach der Konfirmation zog sich der Erbprinz auf das Gut Schersen bei Sondershausen, wo er bis zu seinem Regierungsantritt lebte, zurück.

Weiterlesen …

1794 nach Tod des Vaters Regierungsantritt.

1799 Vermählung mit Prinzessin Caroline von Schwarzburg-Rudolstadt (1774-1854).

1800 Geburt von Prinzessin Emilie (wurde 1820 mit dem Fürsten Paul Alexander Leopold II. von Lippe-Detmold vermählt).

1801 Formierung des “Hautboistenkorps” der Garde. Die von 1806 an sonntäglich im Loh stattfindenden öffentlichen Konzerte der “Loh-Kapelle” wurden zur kulturellen Institution und haben den Ruf Sondershausens als Musikstadt wesentlich mitbegründet.

1801 Geburt des Erbprinzen Günther Friedrich Carl II.

Die Fürstin zog sich bald mit den Kindern an den heimatlichen Hof zurück.

Verträge zwischen Schwarzburg-Sondershausen und Sachsen-Weimar (1811) und Sachsen-Gotha (1823) zur weiteren Klärung der komplizierten lehnsrechtlichen Beziehungen zu den Ernestinern.

1816 Vertrag mit Preußen zum Gebietsaustausch in beiderseitigem Interesse.

1819 Sondershausen-Schwarzburg tritt als erster deutscher Staat dem Preußischem Zollverein bei.

1825 Errichtung eines Hoftheatergebäudes auf der „Morgenwiese“ (1946 abgebrannt).

Er führte ein streng patriarchalisches Regime alten Zuschnittes, das jeden Reformwillen vermissen ließ. Seine Verfassung vom 28.12.1831 wurde im Land als den Verhältnissen unangemessen empfunden und stieß auf Ablehnung. Den aufgestauten Unwillen machte sich im Sommer 1835 eine Gruppierung unter dem Kanzler Günther von Ziegeler zunutze, die in Abstimmung mit dem Erbprinzen jene „Revolution von Ebeleben“ inszenierte, in deren Verlauf der Fürst zugunsten seines Sohnes abdankte.

Aus Verbitterung zog er sich auf das Jagdschloss „Zum Possen“ zurück, wo er am 22.04.1837 verstarb.

Porträt Günther Friedrich Carl II.
Günther Friedrich Carl II.

Geboren am 24.11.1801

Weiterlesen …

  • 1824 Bildungsreise in die Schweiz, Frankreich und Italien.
  • 1827 Vermählung mit der Prinzessin Marie von Schwarzburg-Rudolstadt (1809/1834), die ihm 5 Kinder schenkte, wovon nur drei das Erwachsenenalter erreichten.
  • 1835 Vermählung mit der Prinzessin Mathilde von Hohenlohe-Öhringen (1814–1888), sie war die interessanteste Frauengestalt am Sondershäuser Hof des 19.Jahrhunderts.
  • 1835 Regierungsantritt.

Umgestaltung des Schlosskomplexes:

  • 1837–39 Ensemble von Schlossterrasse, -treppe und -wache.
  • 1846–51 Umbau des Westflügels und des Neuen Nordflügels, im Anschluß Umgestaltung des Schlossparkes zum englischen Landschaftspark.

Die in den 30er Jahren einsetzende und sich in den 50er/60er Jahren intensivierende Erweiterung der Stadt Sondershausen nach Westen wurde nach dem Fürsten “Carlstadt” genannt.

Politische und wirtschaftliche Veränderungen:

Beilegung der Verfassungskrise

Mit dem Landesgrundgesetz vom 24.09.1841 und dem Landtag von 1843 fand Schwarzburg-Sondershausen den verfassungsrechtlichen Anschluß an das deutsche Niveau dieser Zeit.

Gesetzeswerk von 1849/50 schaffte die Frondienste ab, regelte die landwirtschaftlichen Nutzungsrechte neu und schuf ein neues Finanz- und Abgabewesen.

1836 Gründung der ersten Sparkasse in Sondershausen.

1854 Durchführung der Separation (Flurbereinigung).

1850 Verwaltungsreform.

1857 Neuordnung der kommunalen Verhältnisse durch die Städte- und Gemeindeordnung.

In den 70er Jahren Angleichung der Rechtspflege an das preußische System.

1869 Einweihung der über Sondershausen führenden Eisenbahnstrecke Erfurt-Nordhausen.

1887 neues Postgebäude.

Militärwesen schloss sich an das von Preußen an und nahm am Deutsch-Französischem Krieg teil.

Errungenschaften in Bildung und Kultur:

Gründung der Realschule (1835), des Lehrerseminars mit Seminarschule (1844/62) und Lehrerinnenseminars (1876).

Das Sondershäuser Musikleben erreichte eine Blüte, die in ganz Deutschland Beachtung fand. Auch das Hoftheater erlebte eine Blütezeit.

Am 17.07.1880 Verzicht auf die Regierung zugunsten seines Sohnes (aufgrund eines Augenleides).

Sein Lieblingsaufenthaltsort der letzten Jahre war das Jagdschloss „Zum Possen“. Hier entstand 1867 die Reithalle, auch der Bärenzwinger und das Wildgatter gehen auf seine Regierungszeit.

Er starb am 15.09.1889.

Am 01.07.1894 wurde ihm auf dem Possen ein Denkmal gesetzt.

Porträt Karl Günther
Karl Günther

Geboren am 07.08.1830,
als letzter Fürst der Sondershäuser Linie des Schwarzburgischen Fürstenhauses in Arnstadt.

Weiterlesen …

1850 widmete sich Karl Günther an der Universität in Bonn dem Studium der Rechte und Literatur.

1850 Beitritt als Oberleutnant in Münster in das preußische Militär.

1852 Rittmeister

1853 Wechsel nach Berlin

1855 Quittierung des Dienstes als Major

14.06.1869 Vermählung mit der Prinzessin Marie von Sachsen-Altenburg (geb. 1845). Diese Ehe blieb ohne Nachkommenschaft.

17.07.1880 Antritt der Regierung. Wichtige Gesetze seiner Regierungszeit waren schon darauf abgestimmt, daß das Erlöschen der Sondershäuser Linie des Hauses Schwarzburg abzusehen war.

Bedeutende Bauten:

  • Staatsschulgebäude (1881)
  • die nach ihm benannte Karl-Günther-Schule (Bürgerschule, 1891)
  • Neubau des Lehrerseminars an der Cruciskirche (1895/1907)
  • 1890-92 Umbau im Inneren der Trinitatiskirche

Wirtschaft und Kultur:

  • 1892 Etablierung des Kalibergbaus
  • 1898 Produktion von Elektroartikeln
  • durch Anlage der Eisenbahnstrecke Frankenhausen-Nordhausen entstand 1898 der Südbahnhof
  • zum 100. Jahrestag der Lohkonzerte wurde am Ende der Güntherstraße der Loh-Brunnen angelegt

1906 wurde Karl Günther bei einem Jagdunfall so schwer verletzt, dass er die letzten drei Jahre im Krankenbett verbringen mußte.

Er starb am 28.03.1909 im Sanatorium bei Dresden.

Mit ihm erlosch die Sondershäuser Linie des Hauses Schwarzburg im Mannesstamm.

Porträt Günther Victor
Günther Victor

Geboren am 21.08.1852 in Rudolstadt

Weiterlesen …

Nach den Erbfolgeverträgen von 1713 und 1896 ging bei Erlöschen der Sondershäuser Linie die Regierung des Fürstentums an den Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt über. Dieser vereinigte von 1909 an beide Fürstentümer in Personalunion als „Fürst zu Schwarzburg“.

Fürst Günther Victor zu Schwarzburg war am 21.08.1852 in Rudolstadt als Sohn des Prinzen Adolf von Schwarzburg-Rudolstadt und der Prinzessin Mathilde von Schönburg-Waldenburg geboren worden. Am 20.01.1890 trat Günther Victor die Nachfolge seines Vetters an. 1891 vermählte er sich mit der Prinzessin Anna Luise von Schönburg-Waldenburg (geb. 1871).

Die Novemberrevolution von 1918 beseitigte die neun thüringischen Kleinstaaten – auch die beiden schwarzburgischen Fürstentümer – innerhalb von 16 Tagen.

Am 23.11. dankte Günther Victor in Rudolstadt ab, am 25.11. auch in Sondershausen. Als letzter deutscher Bundesstaat hörte Schwarzburg-Sondershausen auf, eine konstitutionelle Monarchie zu sein.

In Sondershausen starb Günther Victor am 16.04.1925, seine Gemahlin Anna Luise am 07.11.1951.