Überblick

Die Entstehung von Sondershausen ist urkundlich nicht belegt, wird aber in die fränkische Zeit um 800 datiert.

Die historischen Umstände der Ortsgründung stehen im engen Zusammenhang mit der Gauverfassung Karls des Großen. Der hatte Ende des 8. Jahrhunderts das zum Frankenreich gehörige Thüringen in Gaue einteilen lassen, denen jeweils ein Gaugraf als Vertreter der Krone vorstand. Gleichzeitig wurden die in einem Gaubezirk vorhandenen herrenlosen Wälder, Sümpfe und Gewässer erfasst und dem Kronbesitz zugeschlagen. Die Feldfluren teilte man in sogenannte Hufe (meist 30 Morgen) ein. Ein Zehntel davon – es wurde als “Sonder”, ahd. suntara bezeichnet – blieb der Krone vorbehalten. Der andere Teil wurde an die weltlichen und geistlichen Größen als Lehen vergeben. Auf dem von der Krone einbehaltenen “Sonder” Teil errichtete man ein befestigtes Haus (Hus), einen Königshof, von einem Hofmeister verwaltet.

Aus diesem gesellschaftlichen Umfeld heraus lässt sich auch die Deutung des Ortsnamens Sondershausen, als den um das “Sonderhus” entstandenen Ort ableiten. In der alten Schreibweise “Sundirshusin” wird dieser Bezug noch deutlicher. Der Königshof und damit die Keimzelle unserer Stadt wird auf dem Plateau südlich des Schlosses (Carl-Schroeder-Straße) vermutet. Als dazugehöriger Besitz (Sonder) wird der östliche Wippergau mit dem Bebratal angesehen.

Der Bau der Spatenburg bei Sondershausen durch König Heinrich IV. im Jahre 1073 macht deutlich, dass das Königtum noch Ende des 11. Jahrhunderts im Raum Sondershausen über Krongut verfügte und eigene Interessen zu schützen hatte. Aber bereits im Jahre 1125 sind auf der Burg Sondershausen Mainzer Dienstmannen nachgewiesen. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass zumindest Teile dieses Krongutes um die Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert in den Besitz von Mainz gelangt waren. Das könnte mit dem Versuch der Erzbischöfe zusammenhängen, zur Absicherung des Archidiakonatssitzes Jechaburg (kurmainzisches Kirchenzentrum für Nordthüringen) ein kleines Mainzer Territorium im Raum Sondershausen aufzubauen.

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Zu Beginn des 13. Jahrhunderts sind im Zuge des Territorialausbaus der Thüringer Landgrafen nordthüringische Gebiete in deren Besitz übergegangen. So sind im Jahre 1211 landgräfliche Marschälle in Sondershausen belegt. Die politische Schwäche der Landgrafschaft Thüringen unter dem wettischen Landgrafen Albrecht (1256–1307) nutzten die Grafen von Hohnstein zur Ausweitung ihrer Territorialherrschaft. Nachdem sie bereits 1263 die inzwischen landgräfliche Spatenburg erworben hatten, sind sie seit 1295 auch im Besitz der Herrschaft Sondershausen.

Unter den Hohnsteinern erwarb Sondershausen um 1300 das Stadtrecht. Eine Verleihungsurkunde hat sie zwar nicht erhalten, aber der Zeitraum der Stadterhebung lässt sich auf die Zeit zwischen 1295 und 1304 einengen, stammen doch aus diesen Jahren zwei Urkunden, die Sondershausen 1295 noch als Burgsiedlung, 1304 aber bereits als „opidum“ (Stadt) bezeichnen.

Über Erbverbrüderung gelangte die Herrschaft Sondershausen im Jahre 1356 in den Besitz der Grafen von Schwarzburg, die die Stadt Sondershausen bis 1918 als Residenz und Landeshauptstadt nutzten und ausbauten.

Wie die meisten thüringischen Städte entstand auch Sondershausen am Fuße einer Burg als Sitz eines Territorialherren. Weniger die Existenz einer entwickelten Handwerker- oder Kaufmannschaft initiierte also eine städtische Entwicklung, vielmehr verdankt Sondershausen seine Stadterhebung und –entwicklung den Machtambitionen der Hohnsteiner Stadtgründer und der Herrschaft der Schwarzburger, die wie andere Territorialherren auch, die Städte als politische, wirtschaftliche und militärische Zentren in ihre Territorialpolitik einbezogen.

In Thüringen gab es am Ende des 15. Jahrhunderts über 90 Städte, die meisten davon Kleinstädte unter 2000 Einwohnern. Bei der Vielzahl der Kleinstädte gelang es vor allem denjenigen, ein städtisches Gepräge auszubilden, deren Burg sich zum Schloss und deren Stadt sich zur Residenz eines Territoriums entwickeln konnten. Für Sondershausen als Sitz der Grafen von Schwarzburg seit 1356 trafen diese Voraussetzungen mit dem Schlossbau ab 1534 und der Gründung und dauerhaften Entwicklung einer Schwarzburg-Sondershäuser Landesherrschaft mit der Residenz Sondershausen seit 1571/1599 zu.

Sondershausen besaß um 1500 etwa 1700 Einwohner. Die größte Stadt der Schwarzburger war Arnstadt mit etwa 3000 Einwohnern.

Nur wenige der Kleinstädte haben im ausgehenden Mittelalter eine Erweiterung durch Neustädte erfahren. Eine besonders weiträumige Ausdehnung erhielten Frankenhausen und Sondershausen. Bereits im 14. Jahrhundert ist für Sondershausen eine Stadterweiterung westlich der Altstadt (Oberstadt bis zum Lohtor) und eine größere östlich der Altstadt (Neustadt bis zum Wippertor) nachgewiesen. Zumindest für die Oberstadt belegen archäologische Ausgrabungen auf dem Postplatz (1998/99), dass sich hier vor allem solche Gewerbe wie Töpfereien und Gerbereien ansiedelten, die wegen ihrer Umweltbelästigung durch Feuer, Rauch und Geruch innerhalb der Stadt nicht geduldet wurden.

Die Bürger der Stadt Sondershausen waren Handwerker und Händler, deren Wirkungskreis zu keiner Zeit über den örtlichen bzw. regionalen Rahmen hinauswuchs. Mit dem Ausbau der Stadt als Residenz erschlossen sich neue Erwerbsquellen in Verwaltung und Hofdienst. Daneben bildete für viele Stadtbürger die kleine landwirtschaftliche Produktion eine wesentliche Grundlage ihrer Existenz. Das betraf die Erzeugung von Feldfrüchten ebenso wie die Haltung von Haustieren, die in den engen Hinterhöfen beträchtliche hygienische Probleme aufwarf. Im Jahre 1620 umfasste der Viehbestand neben einer nicht bezifferbaren Größenordnung an Schweinen, Ziegen, Schafen und Geflügel die enorme Anzahl von 278 Rindern und 51 Kälbern. Die Thüringer Kleinstädte wuchsen bis in das 19. Jahrhundert hinein kaum über ihren mittelalterlichen Mauerring hinaus. Erst die staatsrechtliche Integration der Thüringer Kleinstaaten in den Deutschen Bund im Jahre 1815 und der damit verbundene Ausbau der jeweiligen Residenzen zu modernen Landeshauptstädten wirkten für diese Städte wieder als städtebauliche Impulse. In Sondershausen ist diese Entwicklung nach 1838 mit dem Aufbau der sogenannten Carlstadt nachweisbar. Der Bau der Eisenbahnlinie Nordhausen-Sondershausen-Erfurt und die Eröffnung des Bahnhofes 1869 förderten die Stadterweiterung nach Westen. Noch im 19. Jahrhundert begann die Bebauung im Bereich der Promenade und des südlich angrenzenden Geländes.

Die Versorgung der öffentlichen Brunnen der Stadt mit Quellwasser der Schersen- und Margarethenquelle nach 1852 sowie der Bau einer Kanalisation und Wasserleitung mit Hausanschluss im Jahre 1896 dienten ebenso der Erhöhung der Lebensqualität der Bürger wie die Nutzung von Leucht- und Kochgas seit dem Jahre 1857 und die Asphaltierung der Bürgersteige 1882.

Nach dem 1. Weltkrieg, der 272 Sondershäuser Soldaten das Leben kostete, erfolgte im Jahre 1922 die Eingemeindung Bebra, während es mit Stockhausen, Jecha und Jechaburg nach einer vorübergehenden Angliederung (1922-1924) erst 1950 zu einer dauerhaften Eingemeindung kam. Mit Berka, Großfurra und Oberspier schlossen sich am 31.12.1997 drei weitere Orte der Stadt Sondershausen an.

1922 hatte Sondershausen 8087 Einwohner. Über 15413 im Jahre 1924 und 19800 im Jahre 1954 stieg die Einwohnerzahl bis Ende der 1980er Jahre auf knapp 25000 an. Die Abwanderung nach 1989 wurden durch die Eingemeindungen im wesentlichen kompensiert, so dass in der Stadt per 31.12.1997 wieder 24003 Personen lebten.

Neben den Eingemeindungen wirkte sich vor allem die Ende des 19. Jahrhunderts einsetzende Industrialisierung positiv auf die Stadtentwicklung aus. Von 1893-1912 nahmen sechs Kalischächte die Produktion auf. Sondershausen entwickelte sich in der Folgezeit zu einem Kalistandort mit Exportverbindungen in alle Welt und zu einem Zentrum der Kaliforschung.

Mit Lindner & Co. 1902 und Brunnquell & Co. 1913 begann in der Stadt die Produktion von elektrotechnischen Artikeln, die mit ELSO, WAGO und SONLUX bis zur Gegenwart Bestand hat.

Nach der Bombardierung von Sondershausen am 8. April 1945, der 181 Menschen und über 40% der Bausubstanz zum Opfer fielen, begann auf der Grundlage des Ortsgesetzes über die Enttrümmerung der Stadt Sondershausen – alle männlichen Arbeitskräfte zwischen 15 und 55 Jahren konnten 3 Stunden täglich verpflichtet werden – die Enttrümmerung und der Wiederaufbau, der seit den 50er Jahren mit der Errichtung der Neubaugebiete Borntal, Hasenholz und Östertal zu einer erheblichen Stadterweiterung führte. Mit dem bereits Ende der 70er Jahre beginnenden Abriss der Altstadt (Schwarzes Viertel) und dem parallel laufenden Aufbau des Neubaugebietes Wippertor verlor Sondershausen ein wesentliches Stück Identität.

Nach 1990 konzentrierten sich die Bauaktivitäten vor allem auf die Sanierung der maroden Bausubstanz an öffentlichen Gebäuden und Wohngebäuden, an Straßen, Plätzen und der Infrastruktur sowie auf die Errichtung von Eigenheimsiedlungen in der Dornheide, am Bahnbogen und am Windleitenweg.

Bilder aus der Zeit zwischen 1950-1980

Nach der Bombardierung von Sondershausen am 8. April 1945, der 181 Menschen und über 40% der Bausubstanz zum Opfer fielen, begann auf der Grundlage des Ortsgesetzes über die Enttrümmerung der Stadt Sondershausen - alle männlichen Arbeitskräfte zwischen 15 und 55 Jahren konnten 3 Stunden täglich verpflichtet werden – die Enttrümmerung und der Wiederaufbau, der seit den 50er Jahren mit der Errichtung der Neubaugebiete Borntal, Hasenholz und Östertal zu einer erheblichen Stadterweiterung führte. Mit dem bereits Ende der 70er Jahre beginnenden Abriss der Altstadt (Schwarzes Viertel) und dem parallel laufenden Aufbau des Neubaugebietes Wippertor verlor Sondershausen ein wesentliches Stück Identität.