Persönlichkeiten

Stefanie Keyser

Die Grafen und späteren Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen prägten in der Zeit ihrer Herrschaft (1356–1918) das Leben der Stadt Sondershausen. Aber auch Bürger der Stadt Sondershausen vollbrachten beachtliche Leistungen auf dem Gebiet der Musik, der Literatur, der Kunst, der Wissenschaft, des Bauwesens, der Heimatgeschichte oder des Erziehungswesens und trugen so zum Ansehen der Stadt bei. Bürger, wie Johann Karl Wezel, Carl Schroeder, Thilo Irmisch, Carl Scheppig oder Johann Günther Friedrich Cannabich, um nur einige zu nennen, machten den Ort, in dem vor allem die Musik eine Heimstätte fand, weit über die Grenzen Thüringens bekannt ...

Persönlichkeiten der Musik

Porträt Johann Simon Hermstedt
Johann Simon Hermstedt, Musiker

(29.12.1778 – 10.08.1846)

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Johann Simon Hermstedt wurde am 29. Dezember 1778 als Sohn des Musikdirektors Johann Heinrich Hermstedt in Langensalza geboren.

Nach seiner Ausbildung in Annaberg, Waldheim und Colditz trat Hermstedt in das Regiment seines Vaters ein und bekam die Stelle eines 1. Klarinettisten im Musikkorps übertragen.

Am 20. November 1802 trat der talentierte Hermstedt seinen Dienst als Premierhautboist an, seine Aufgaben bestanden neben der Leitung des Harmoniekorps in der Gestaltung der Konzertprogramme.

Seit 1808/1809 führte ihn eine ausgedehnte Reisetätigkeit in viele Städte Deutschlands. Unter anderem war er immer wieder in Leipzig, wo er fast jährlich mit dem herausragenden Gewandhausorchester musizierte.

Im Jahre 1810 wurde er Musikdirektor am fürstlichen Hofe von Sondershausen. Nach Gründung des Theaters 1815 betreute er auch dessen musikalische Sparten. 1824 erfolgte die Ernennung zum Kapellmeister und Ende Januar 1839 zum Hofkapellmeister. Auf eigenes Ersuchen trat Hermstedt im November desselben Jahres von der Leitung der Hofkapelle zurück und ging in den Ruhestand.

Er hatte sich den Ruf erworben, einer der größten Klarinetten-Virtuosen seiner Zeit zu sein.

Mit 68 Jahren verstarb Johann Simon Hermstedt am 10. August 1846.

Porträt Ernst Ludwig Gerber
Ernst Ludwig Gerber, Kammermusikus und Hoforganist

(29.09.1746 – 30.06.1819)

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Ernst Ludwig Gerber wurde am 29. September 1746 geboren. Er gehörte zu den Sondershäuser Persönlichkeiten, die ein bedeutendes schriftliches Werk hinterlassen haben und war zugleich Musiker, Komponist, Lehrer und Schriftsteller.

Im Juli 1768 fand die erste öffentliche Aufführung einer Komposition Ernst Ludwig Gerbers in Leipzig statt. 1768 kehrte er nach Sondershausen zurück und begann 1773 die Tätigkeit als Organist sowie Musiklehrer der fürstlichen Kinder. 1775 übernahm er das Amt des sogenannten Kellerschreibers, der unter anderem für die Rechnungsführung am Hofe verantwortlich war. Es erfolgte die offizielle Anstellung als Hoforganist.

In den Jahren 1790 und 1792 erschienen in Leipzig die Bände von Ernst Ludwig Gerbers Tonkünstlerlexikon. Dieses Lexikon hat auch heute wenig von seiner Bedeutung eingebüßt.

Gerbers Wirken als Musikerzieher am fürstlichen Hofe wurde 1794 durch den Fürsten Günther Friedrich Carl I. mit der Ernennung zum Hofsekretär gewürdigt.

In ständiger Erweiterung der Bibliothek seines Vaters hatte er im Laufe seines Lebens eine der bedeutsamsten Bibliotheken geschaffen. Wie aus einem Verzeichnis von 1804 hervorgeht, enthielt sie allein 620 Musiker-Bildnisse.

In der Bibliothek der „Gesellschaft der Musikfreunde“ in Wien befindet sich teilweise seine sehr umfangreiche Materialsammlung.

Am 30. Juni 1819 starb Gerber unverheiratet und ohne Nachkommen zu hinterlassen.

Porträt Carl Schroeder
Carl Schroeder, Musiker, Hofkapellmeister

(18.12.1848 – 22.09.1935)

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Carl Schroeder wurde am 18.12.1848 in Quedlinburg geboren. Nachdem er Unterricht im Klavier- und Cellospiel erhielt, trat Carl Schroeder bereits 1864 als Solist in einem Sondershäuser Loh-Konzert auf. Bereits ein Jahr später bekam er eine Anstellung als 2. Cellist in der Fürstlichen Hofkapelle. Am 1. April 1866 verließ er die Hofkapelle, um als Solocellist mehrere Jahre in berühmten Konzertinstituten in Petersburg, Warschau und Paris tätig zu sein. In Petersburg unterrichtete er die Söhne des kaiserlichen Leibarztes und spielte auch vor Mitgliedern der Zarenfamilie. Hier wurde Anton Rubinstein sein Freund und Begleiter.

In den Jahren 1868 bis 1871 reiste er im Streichquartett mit seinen Brüdern durch ganz Deutschland, bevor er 1872 Kapellmeister am Krollschen Theater in Berlin wurde. Bereits ein Jahr später wurde er Solocellist in der Braunschweiger Hofkapelle und anschließend als 1. Cellist an das Gewandhaus in Leipzig berufen. Hier wirkte er gleichzeitig als Lehrer am Königlichen Konservatorium. 1881 trat er seine Stellung als Hofkapellmeister der Fürstlichen Hofkapelle in Sondershausen an.

Angeregt durch einen befreundeten Komponisten und Theorielehrer aus Leipzig fasste Schroeder 1882 den Entschluß, in Sondershausen ein Konservatorium zu gründen, welches bis zur Übernahme durch Adolf Schultze im Juli 1886 sein Privateigentum war.

1885 erfolgte die Ernennung des Hofkapellmeisters Schroeder zum Professor durch den Fürsten. Als Carl Schroeder seine Stelle als Hofkapellmeister aufgab, wurde er bei seinem Ausscheiden vom Fürsten mit dem Fürstlichen Schwarzburgischen Ehrenkreuz IV. Klasse ausgezeichnet.

1887 wurde er vom Grafen Hochberg als 1. Kapellmeister an die Königliche Hofoper in Berlin berufen und führte diese Stelle ein Jahr aus, bevor er 1888 die Leitung des Stadttheaters in Hamburg übernahm. Zusätzlich war er als Lehrer am Hamburger Konservatorium tätig und beteiligte sich an den Kammermusik-Abenden der Philharmonie.

1890 wurde das Fürstliche Konservatorium Sondershausen zum Hofinstitut und Professor Schroeder erneut mit der Direktion betraut.

Schroeders reiches Schaffen auf dem Gebiet der Komposition begann in Sondershausen. Von seiner umfangreichen kompositorischen Tätigkeit zeugen unter anderem Werke wie, ein Streicher - Trio, zwei Streichquartette, drei Symphonien und drei Opern „Aspasia“ (1890), „Der Asket“ (1892) und „Die Palikaren“ (1905).

Ab dem Jahre 1905 leitete Prof. Schroeder in der Lohspielzeit die Nachmittags- und Konzertmeister Corbach die Abendkonzerte. Im März 1907 wurde ihm das Prädikat „Hofrat“ verliehen, bereits einen Monat später nahm Schroeder Abschied von der Leitung der Hofkapelle, der Oper sowie dem Direktorat des Konservatoriums und ging in den Ruhestand.

In dankbarer Anerkennung seiner großen Verdienste um das Musikleben beschloß der Stadtrat von Sondershausen, Professor Schroeder 1928 zum Ehrenbürger der Stadt Sondershausen zu ernennen.
1935 wurde der Aufenthalt Carl Schroeders in Sondershausen zum Anlaß genommen, die Poststraße, in der sich das Konservatorium befand, in Carl-Schroeder-Straße umzubenennen. Noch im gleichen Jahr verstarb Carl Schroeder in Bremen.
Anlässlich seines 100. Geburtstages 1948 widmete die Musikstadt Sondershausen dem Gründer des Konservatoriums eine hölzerne Gedenktafel im Konservatorium. Als bleibende Erinnerung trägt seit 1987 auch die Kreismusikschule Sondershausen seinen Namen.

Porträt Carl Corbach
Carl Corbach, Musiker, Konzertmeister

(16.03.1867 – 11.06.1947)

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Am 16. März 1867 wurde Carl Corbach in Lütgendortmund geboren. Seit früher Kindheit galt seine ganze Liebe ausschließlich der Geige. Sein musikalisches Talent wurde zielstrebig von seinem musikbegabten Vater gefördert. Auftritte als Zehnjähriger in öffentlichen Konzerten brachten ihm Bestätigung und Ansporn.

Die Übersiedlung seiner Familie nach Köln 1881 ermöglichte dem Vierzehnjährigen den erfolgreichen Besuch des Konservatoriums. Bereits nach vier Jahren Musikstudium stand dem jungen Künstler die große Welt offen. Die ersten Stationen seiner künstlerischen Laufbahn als Konzertmeister waren 1889 Hamburg und 1890 Petersburg.

1891 zog Corbach, dem internationalen Ruf des Loh-Orchesters folgend, in die Musikstadt Sondershausen, die für 56 Jahre seine Wirkungsstätte und Heimat wurde. Er übernahm unter der Leitung des Fürstlichen Hofkapellmeisters Prof. Carl Schroeder die Stelle des 1. Konzertmeisters und fand eine Lebensaufgabe, die in vollem Einklang mit seiner künstlerischen Berufung stand. 1901 wurde er Hofkonzertmeister.

Für seine Leistungen verlieh ihm das Fürstenhaus 1906 zwei wertvolle alte Violinen aus dem Nachlaß des Prinzen Leopold, eine Stradivari (1715) und eine Amati (1691). Beide Instrumente spielte er bis an sein Lebensende.

Nach seiner Ernennung zum Professor im Jahr 1910 übernahm er ein Jahr später die Leitung der Hofkapelle als Hofkapellmeister. Er sicherte den Erhalt von Orchester und Konservatorium.

1930 wurde Professor Corbach Mitglied der Königlich-Schwedischen Akademie der Künste.

Im Alter von 67 Jahren gab er 1934 die Leitung des Loh-Orchesters ab, das Rektorat des Konservatoriums hatte er noch bis 1938 inne.

Am 11. Juni 1947 starb Professor Corbach an den Folgen einer Lungenentzündung.
Carl Corbach hat die kleine Stadt Sondershausen zu einem klingenden Mittelpunkt für namhafte Musiker, Musikstudenten und -liebhaber aus aller Welt gemacht. Er ließ nichts unversucht, die glanzvollen Traditionen Sondershäuser Orchester- und Kammermusik fortzusetzen.

1887 wurde er vom Grafen Hochberg als 1. Kapellmeister an die Königliche Hofoper in Berlin berufen und führte diese Stelle ein Jahr aus, bevor er 1888 die Leitung des Stadttheaters in Hamburg übernahm. Zusätzlich war er als Lehrer am Hamburger Konservatorium tätig und beteiligte sich an den Kammermusik-Abenden der Philharmonie.

1890 wurde das Fürstliche Konservatorium Sondershausen zum Hofinstitut und Professor Schroeder erneut mit der Direktion betraut.

Schroeders reiches Schaffen auf dem Gebiet der Komposition begann in Sondershausen. Von seiner umfangreichen kompositorischen Tätigkeit zeugen unter anderem Werke wie, ein Streicher - Trio, zwei Streichquartette, drei Symphonien und drei Opern „Aspasia“ (1890), „Der Asket“ (1892) und „Die Palikaren“ (1905).

Ab dem Jahre 1905 leitete Prof. Schroeder in der Lohspielzeit die Nachmittags- und Konzertmeister Corbach die Abendkonzerte. Im März 1907 wurde ihm das Prädikat „Hofrat“ verliehen, bereits einen Monat später nahm Schroeder Abschied von der Leitung der Hofkapelle, der Oper sowie dem Direktorat des Konservatoriums und ging in den Ruhestand.

In dankbarer Anerkennung seiner großen Verdienste um das Musikleben beschloß der Stadtrat von Sondershausen, Professor Schroeder 1928 zum Ehrenbürger der Stadt Sondershausen zu ernennen.
1935 wurde der Aufenthalt Carl Schroeders in Sondershausen zum Anlaß genommen, die Poststraße, in der sich das Konservatorium befand, in Carl-Schroeder-Straße umzubenennen. Noch im gleichen Jahr verstarb Carl Schroeder in Bremen.
Anlässlich seines 100. Geburtstages 1948 widmete die Musikstadt Sondershausen dem Gründer des Konservatoriums eine hölzerne Gedenktafel im Konservatorium. Als bleibende Erinnerung trägt seit 1987 auch die Kreismusikschule Sondershausen seinen Namen.

Porträt Heinrich Friedrich Frankenberger
Heinrich Friedrich Frankenberger, Musiker

(1824 – 1885)

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Heinrich Friedrich Frankenberger wurde am 20. August 1824 in Wurmbach bei Gehren (Thüringer Wald) geboren. Er zeigte schon als Kind besondere Befähigung und Neigung zur Musik und begann 1841 eine Lehre beim Stadtmusikus Louis Barthel in Sondershausen. Dort erhielt er die Möglichkeit zur Mitwirkung in der Hofkapelle. 1850 wurde er zum Hofmusikus ernannt. Während seiner Musikertätigkeit war er ab 1852 Musikerlehrer am Landesseminar für Lehrerbildung und seit 1862 Hoforganist. Um die Chorkräfte in Sondershausen zu vereinen und zu hohen Leistungen zu führen, gründete er 1856 den Cäcilienverein.

1862 wurde er Musikmeister und später erhielt er den Titel als Musikdirektor.

Bereits in jungen Jahren übertrug man ihm die Leitung des Orchesters, eine Auszeichnung der er sich stets gewachsen und würdig erwies. Große Verdienste erwarb er sich durch die Entdeckung und Sicherung einer in Vergessenheit geratenen wertvollen Notensammlung.

Frankenberger schrieb Opern wie: „Die Hochzeit zu Venedig“, „Vineta“ und der „Günstling“.

Von 1877 bis 1880 leitete er die Abendkonzerte und nach Erdmannsdörfer alle Veranstaltungen der Hofkapelle.

Im November 1885 erkrankte er an einer Lungenentzündung, zu der noch eine Rippenfellentzündung kam, an deren Folge er nach zwei Wochen verstarb.

Porträt Albert Fischer
Albert Fischer, Musiker, Sänger und Musikpädagoge

(26.07.1878 – 06.06.1948)

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Albert Fischer wurde am 26. Juli 1878 in Aue (Erzgebirge) geboren. Bevor er 1884 die Realschule besuchte, erhielt er schon als Vierjähriger Klavierunterricht. Nach Abschluß des Realgymnasiums 1893 absolvierte er eine kaufmännische Lehre in Aue.

1899 studierte er am Konservatorium Dresden (Richtung Kirchenmusik, Organistenlaufbahn). Drei Jahre später setzte er sein Studium in Görlitz und Berlin fort, wo er 1903 sein Examen im Fach Gesang ablegte.

Im darauf folgenden Jahr erfolgte sein erstes Engagement als Heldenbariton am Theater in Metz.

1907 erfolgte die Anstellung im Fürstlichen Hoftheater zu Sondershausen als Oberregisseur und als Lehrer für Gesang am Fürstlichen Konservatorium. 1908 erhielt er die Ernennungsurkunde zum Kammersänger.

Mit 33 Jahren wurde er der jüngste Professor seiner Zeit in Deutschland.

Nach seiner Tätigkeit in Sondershausen lebte er von 1920 bis 1945 in Berlin. Dort war er bis 1923 als Gesangspädagoge an der Hochschule tätig. Danach hatte er außer seiner Lehrverpflichtung ein Engagement als Erster Heldenbariton an der Deutschen Staatsoper Berlin. Seine meisterhaften Interpretationen machten ihn in Deutschland und auch im Ausland weit bekannt. Er wurde zum gefragten Solisten in vielen Städten, u.a. trat er in der Mailänder Scala auf.

Auf Grund seiner Diabetes wurde ihm 1939 nach einer Verletzung das rechte Bein amputiert.

In Berlin ausgebombt, kam es 1944 nach mehr als zwei Jahrzehnten wieder zu einem Konzert Fischers in Sondershausen. Es begann die zweite Sondershäuser Zeit von Professor Albert Fischer.

Nach der Wiedereröffnung des Konservatoriums im Oktober 1945 verpflichtete ihn der Leiter und Chef des Loh-Orchesters Carl Maria Artz als Lehrkraft für die Gesangsausbildung. Im Juni 1945 übernahm er auf Bitten von sangesfreudigen Sondershäuser Männern die Leitung eines Doppelquartetts.

Am 06.06.1948 starb Albert Fischer kurz vor Vollendung seines 70. Lebensjahres.

Nach dem Tod Fischers nannte sich die Gesangsgruppe ihm zu Ehren fortan „Albert-Fischer-Doppelquartett“ und danach „Albert-Fischer-Chorgruppe“.

Der von ihm gegründete Männerchor hält auch heute mit seinen Leistungen das Gedächtnis an den Sänger und Gesangspädagogen Albert Fischer wach.

Persönlichkeiten der Literatur

Porträt Johann Karl Wezel
Johann Karl Wezel, Schriftsteller

(31.10.1747 – 28.01.1819)

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Johann Karl Wezel wurde 31.10.1747 in Sondershausen geboren. Er besuchte von 1755 bis 1765 die Stadt- und Landschule. Da Wezel durch Schüler seiner Großeltern schon frühzeitig unterrichtet wurde, konnte er auf Grund seiner Kenntnisse gleich in die vierte Klasse versetzt werden.

Superintendent Nikolas Dietrich Gieseke (1724–1765) sowie der Schriftsteller und Lehrer Gottfried Conrad Böttger (1732–1794) erkannten bald das Talent des jungen Wezel. In der Zeit von 1765 bis 1769 studierte er Jura, Philosophie und Philologie an der Universität in Leipzig. Mit Vorliebe wandte er sich der englischen, französischen und italienischen Sprache zu. Von 1773 bis 1776 entstand sein erster großer Roman „Lebensgeschichte Tobias Knauts des Weisen, sonst der Stammler genannt.“

1776 trat Wezel eine Hofmeisterstelle bei dem preußischen Staats- und Justizminister Ernst Friedmann von Münchhausen in Berlin an. Im gleichen Jahr erschien in Leipzig sein zweiter Roman „Belphegor, oder die wahrscheinlichste Geschichte unter der Sonne“. Wegen Erkrankung Wezels wurde die Hofmeisterstelle anderweitig besetzt und er kehrte nach Leipzig zurück um als freier Schriftsteller zu leben. Es entstanden bis 1780 die „Satirischen Erzählungen“, das Singspiel „Zelmor und Ermide“. Sein wohl bekanntester Roman „Hermann und Ulrike“ wurde im Jahr 1780 veröffentlicht.

1782 erfolgte eine Anstellung als Theaterdichter in Wien, wo er sich bald der Gunst Kaiser Josephs erfreute, der ihm eine goldene Ehrenmedaille verlieh.

Zwei Jahre später unternahm er Reisen nach Berlin, Hamburg, Kassel und Paris und ab und zu auch in seine Vaterstadt. Um 1790 kehrte Wezel nach Sondershausen zurück. Nach 1811 beteiligte er sich zunehmend am gesellschaftlichen Leben in Sondershausen, nahm an Theateraufführungen und Konzerten teil, zu denen der Fürst Günther Friedrich Carl I. eingeladen hatte.

Am 28. Januar 1819 starb er nach kurzer Krankheit in Sondershausen.

Porträt Stefanie Keyser
Stefanie Keyser

(30.03.1847 – 30.01.1926)

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Stefanie Keyser wurde am 30. März 1847 in Sondershausen geboren. Von 1852 bis 1861 besuchte sie die höhere Mädchenschule in Sondershausen, an der auch vor ihr Eugenie John (Marlitt) ihre Ausbildung erhielt.

Stefanies Wissensdrang erhielt Nahrung von Lehrern wie Thilo Irmisch, Theodor Ratzeberger, Direktor Hölzer und Kapellmeister Eduard Stein. Intensiv über die Schulzeit hinaus beschäftigte sie sich mit Botanik. Auf Reisen durch Deutschland und die Schweiz wurde ihr Interesse von botanischen Fragestellungen jedoch immer mehr auf historische und kulturgeschichtliche Themen gezogen.

Stefanie Keyser trat in kleinen Theateraufführungen und Polterabendveranstaltungen auf, doch ihr vielseitiger Geist suchte nach schöpferischer Herausforderung. Daraufhin fand sie ihren Lebensberuf im Schreiben.

Über das Privatleben von Stefanie Keyser ist kaum etwas bekannt. So blieb sie bis an ihr Lebensende unverheiratet, nahm jedoch regen Anteil an den Verbindungen der Menschen in ihrem Umfeld.

Belegt ist ihre Teilnahme an den Aktivitäten des 1853 gegründeten Sondershäuser Vereins für Deutsche Geschichts- und Altertumskunde, deren Ehrenmitglied sie 1921 wurde.

In den Jahren 1923 bis 1924 verfaßte sie die Leitsprüche im 2. und 3. Heft der Mitteilungen des Vereins.

Am 30. Januar 1926 verstarb Stefanie Keyser 79jährig in Sondershausen. Besondere Anerkennung erwarb sie sich durch ihre Mitarbeit an der „Gartenlaube“. In ihren kulturgeschichtlichen Stoffen griff sie insbesondere die heimatlichen Personen, Verhältnisse und Kapitel der Geschichte auf.

Einige ihrer Werke sind: „Der Herr Albrecht“, „Der Püstrich“ und „Sturm im Wasserglas“.

Porträt Karl Krieghoff
Karl Krieghoff, Mundartdichter

(05.06.1905 – 22.11.1984)

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Karl Krieghoff wurde am 5. Juni 1905 in Sondershausen geboren. Er war ein echter Sondershäuser, der die Menschen und das Leben in der Stadt ebenso wie die Verhältnisse auf dem Lande von Kindheit an gut kannte und beobachtete. Viele Anlässe und Begebenheiten fasste er in zahlreichen mundartlichen Gedichten in treffender Art und Weise in Verse. Diese Gedichte vermitteln einen nachhaltigen Eindruck von der Lebensweise vergangener Generationen, ihrem Denken und Handeln. Er zog mit seinen Eltern in die Unterstadt, dem sogenannten „Schwarzen Viertel“, dem Teil von Sondershausen mit vorwiegend handwerklichem Charakter.

In diesem Viertel lebte Karl Krieghoff, das war sein Milieu, hier lernte er die Menschen kennen und schätzen. Mit seinen Versen setzte er diesen Menschen ein bleibendes Denkmal.

Nach seiner Erblindung war das Verseschmieden ein segensreicher und lebensbejahender Ausgleich, der ihm unter der Bevölkerung hohe Anerkennung und Wertschätzung einbrachte.

Die Liebe und Verbundenheit zu seiner Heimatstadt Sondershausen kommt in vielen seiner Gedichte zum Ausdruck, wie z.B. „In Lohkonzerte“, „Unser Possen“, „Der Schwarzvertler“ und „Heimatlieder“. Seine Gedichte werden von alt und jung gern gelesen.

Am 2. November 1984 starb Karl Krieghoff in Sondershausen.

Persönlichkeiten der Kunst

Porträt Ferdinand Menge
Ferdinand Menge, Maler

(29.10.1876 – 28.07.1962)

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Am 29. Oktober 1876 wurde Ferdinand Menge in Freienbessingen geboren. Nach dem Tod des Vaters zog die Familie 1879 nach Sondershausen. Hier besuchte er von 1883 bis 1895 die fürstliche Realschule. Schon als Schüler fiel Menge durch seine zeichnerische Begabung auf. Aus diesem Grund begann er 1897 mit seiner künstlerischen Ausbildung an einer privaten Kunstschule in Quedlinburg und setzte sie 1898 in München fort. Hier studierte er bis 1904 an der Königlichen Akademie der bildenden Künste.

Nach seinem Studium kam Ferdinand Menge als ausgebildeter Kunstmaler nach Sondershausen und war hier als freier Maler tätig. Zahlreiche Reisen durch Deutschland, Österreich, Italien und die Schweiz wirkten sich förderlich auf sein Schaffen aus.

Nach Beendigung des Krieges erteilte er begabten Kindern Mal- und Zeichenunterricht. In der Zeit der Weltwirtschaftskrise war Menge im Sondershäuser Katasteramt beschäftigt. Auf Grund seiner Erkrankung an Hauttuberkulose im Jahre 1935 zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück.

Beim Luftangriff 1945 auf Sondershausen ging ein großer Teil seiner Bilder verloren.

Bedingt durch seine Krankheit lebte er die letzten 15 Jahre im kirchlichen Stift.
Hier verstarb Menge am 28. Juli 1962.

Ferdinand Menge gehört zu jenen Persönlichkeiten Sondershausens, deren Leben und Werk Hochachtung, Anerkennung und Wertschätzung verdienen.

Motive von historischen Gebäuden und Straßenzügen der einstmaligen Residenzstadt legen in seinen Werken Zeugnis von der Vergangenheit der Musikstadt ab. Menge hinterließ seinen gesamten künstlerischen Nachlass dem Sondershäuser Museum.

Porträt Curt Mücke
Curt Mücke, Maler und Grafiker

(20.09.1885 – 05.01.1940)

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Curt Mücke wurde am 20. September 1885 in Sondershausen geboren. Von 1891 bis 1900 lernte er an der fürstlichen Realschule. Durch seine Neigung zur bildenden Kunst entstanden schon frühzeitig erste künstlerische Arbeiten. In der Zeit von 1901 bis 1912 besuchte er die Kunstschule in Nürnberg und war Schüler bei Heinrich Heidner in München, studierte an der Akademie für grafische Künste und Buchgewerbe in Leipzig bei Alois Kolb und war Meisterschüler bei Max Klinger.

Als freischaffender Maler und Grafiker wirkte Mücke 1913/1914 in Friedenau und Dresden. Nach dem Kriegsdienst kehrte er in seine Heimatstadt zurück und begann mit seiner Tätigkeit als freischaffender Maler und Grafiker. In dieser Zeit widmete er sich besonders intensiv der Radierung, Federzeichnung und Ölmalerei. Sein Schaffen bestimmten vornehmlich Landschaften und Architekturbilder.

1921 begann eine enge Zusammenarbeit mit dem Mansfelder Verlag in Eisleben. Er realisierte als nebenamtlicher Illustrator des Verlages zahlreiche Aufträge für Heimatkalender, Jahrbücher, Prospekte.

Seit 1923 arbeitete er aktiv im Sondershäuser Verein für Geschichts- und Altertumskunde. Mücke beriet den Verein bei der Lösung von Aufgaben der heimatlichen Denkmalpflege und Kunstgeschichte. Außerdem übernahm er Illustrationsaufträge für den Heimatverlag für Schule und Haus in Halle sowie den Heilbronner Verlag Otto Weber.

Die Sondershäuser Firma Weisheit übernahm ab 1928 „Schaufensterausstellungen“ künstlerischer Arbeiten Curt Mückes. 1929 gründete er eine Privat-Kunstschule. Infolge geringen Zuspruchs gab er sie bald wieder auf. Da der Kunstvertrieb immer mehr Rücklauf hatte, übernahm er die Funktion als Vermessungsgehilfe im hiesigen Kaliwerk.

Curt Mücke verstarb am 5. Januar 1940 an den Folgen einer zu spät erkannten Blutvergiftung in Sondershausen.

Porträt Johann Friedrich Böhler
Johann Friedrich Böhler, Bildhauer und Zeichner

(1713 – 1784)

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Johann Friedrich Böhler wurde 1713 in Arnstadt geboren. Einige Jahre später zog die Familie in die Graupenmühle bei Ichtershausen (Kreis Arnstadt).

Schon früh entdeckte Böhler die Liebe zum Zeichnen. Durch Eifer und Beharrlichkeit erwarb er sich einige Fähigkeiten auf diesem Gebiet. Trotz seiner Begabung erlernte er bei seinem Vater den Beruf eines Zimmermanns. Während dieser Zeit konnte er Zeichenunterricht bei dem Schwarzburg-Sondershäuser Hofbildhauer Heinrich Christoph Meil in Arnstadt nehmen. Dabei wurde sein Interesse für plastische Arbeiten geweckt. Seine Vorliebe galt Tier- und Jagddarstellungen, Themen, denen er bis ins hohe Alter treu blieb.

Um sich stärker einer künstlerischen Betätigung widmen zu können, entschloss er sich in den Jahren 1732/33 seinen Beruf aufzugeben. Zur Sicherung seines Lebensunterhaltes trat er als Soldat in die Schlossgarde ein. Dort machte er die Bekanntschaft des Fürsten Günther I., der ein leidenschaftlicher Sammler und Kunstmäzen war. Durch dessen Vermittlung kam Böhler in den Genuss, Zeichenunterricht bei dem Landschaftsmaler Thiele aus Dresden zu erhalten.

Mehrere Versuche, sich eine künstlerische Ausbildung anzueignen, scheiterten aus verschiedenen Gründen. Der weitere Aufenthalt in Sondershausen bot ihm dennoch gute Möglichkeiten zu seiner Weiterbildung. Mit dem Tod des Fürsten Günther I. ergab sich für Böhler eine völlig neue Situation. Der Regierungsnachfolger Fürst Heinrich von Schwarzburg-Sondershausen schenkte ihm wenig Beachtung und so zog er sich enttäuscht aus fürstlichen Diensten zurück.

Im Jahr 1742 erhielt er den Titel eines Sachsen-Gothaischen “Hofkunst-Figuren-Schneiders”.

Am 16.05.1784 starb Johann Friedrich Böhler.

Die größte Zahl seiner bekanntesten Werke besitzt das Schlossmuseum Arnstadt.

Weitere 22 Werke lassen sich im Bestand des Schlossmuseums Sondershausen nachweisen.

Persönlichkeiten der Wissenschaft

Porträt Kurt Lindner
Kurt Lindner, Leiter der Porzellanfabrik für elektrisches Zubehör (heute ELSO)

(10.03.1877 – 06.04.1966)

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Kurt Lindner wurde am 10. März 1877 in Großenhain/Sachsen geboren. Er besuchte die Volksschule und nahm anschließend die kaufmännische Lehre in Hildesheim auf. Danach ging er zu einem Privatbankunternehmen der Gebrüder Goldschmidt nach Gotha.

Mit 25 Jahren kam er nach Sondershausen. Durch den Konkurs der 1900 gegründeten Porzellanfabrik für elektronisches Zubehör, deren Hauptgläubiger das Bankunternehmen der Gebrüder Goldschmidt war, kam Lindner nach Abwicklung des Konkurses Ende März 1902 nach Jecha. Dort übernahm er die Leitung der Fabrik. Nachdem sich die Firma „Lindner & Co“ 1902 etabliert hatte, wurde der Betrieb ins Sondershäuser Handelsregister eingetragen.

Am 15.12.1909 wurde er zum Gemeinderat gewählt. Das Unternehmen beschäftigte 1914 etwa 500 Arbeiter und Angestellte. 6 Jahre später wurde er zum Stadtrat und Dezernent des Lebensmittelamtes gewählt. Die Firma Linder & Co beschäftigte 1925 über 1100 Arbeiter und Angestellte, durch die Wirtschaftskrise wurde die Beschäftigtenzahl jedoch um die Hälfte reduziert.

Großzügige Spenden, u.a. für eine Diakoniestation in Jecha, die Karl-Günther-Schule und die neuen Glocken der Stadtkirche St. Trinitatis, deren Gesamtsumme ca. 120.000 Mark betrug, brachten ihm hohes Ansehen ein.

Zum 25-jährigen Bestehen seiner Firma wurde ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt Sondershausen verliehen. Als Dank spendete Lindner 575 Reichsmark zur Anschaffung von Corsep-Gemälden mit Ansichten von Alt-Sondershausen.

Bis zur Machtübernahme Hitlers 1931 war Lindner Präsident des Verbandes der Mitteldeutschen Industrie in Weimar. Am 11. März 1946 erfolgte die Demontage des Gesamtbetriebes durch die sowjetische Besatzungsmacht. Es wurde verfügt, dass mehr als 90 Waggons mit Werkzeugmaschinen den Weg in den Osten antraten. Im Jahr 1948 erfolgte die Enteignung des Werkes von Kurt Lindner einschließlich seines ganzen Privatvermögens. Die Familie zog mittellos nach Eggolsheim, wo seit 1938 ein Zweigbetrieb existierte.

Am 06. April 1966 starb er in Eggolsheim. Die Familiengrabstätte Lindner befindet sich im Nordwesten des Hauptfriedhofs in Sondershausen, mit dem großen Grabmal aus Juramarmor.

Kurt Lindner zeigte menschliches Verständnis für die Nöte des täglichen Lebens und wirkte segensreich durch Wohltätigkeit.

Porträt Professor Thilo Irmisch
Professor Thilo Irmisch, Botaniker und Heimatforscher

(1816 – 1879)

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Professor Thilo Irmisch wurde am 14. Januar 1816 in Sondershausen geboren. Von 1829 bis 1836 besuchte er das Gymnasium. Im Mai 1836 ließ er sich in die Matrikel der Universität Halle als stud. theol. einschreiben und hörte philosophische und theologische Vorlesungen. Im letzten Semester wandte er sich den Naturwissenschaften zu und verließ 1839 die Universität, um in Teistungenburg als Hauslehrer zu wirken.

1844 kehrte er nach Sondershausen zurück, um dort den Schuldienst am Gymnasium aufzunehmen.

Die nächsten 35 Jahre floristischer Tätigkeit machten ihn zum anerkantesten Biologen und botanischen Morphologen Deutschlands in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Neben der publizistischen Tätigkeit übte er auch die Arbeit als Redakteur des „Deutschen“ aus, in dem er viele heimatkundliche Beiträge verfaßte. 1852 wurde er zum Oberlehrer befördert und erhielt ein Jahr später von der Universität das Ehrendiplom. Die Ernennung zum Professor erfolgte 1855.

Der von ihm im Taschenbuchformat gedruckte „Kleine Irmisch“ gilt als ältester Pflanzenkatalog Nordthüringens und bildete die Grundlage für spätere Nachforschungen.

Eine Tätigkeit als Kustos und Konservator des Fürstlichen Naturalienkabinetts nahm er 1862 auf. Im darauf folgenden Jahr wurde Irmisch für die Redaktion des Schwarzburg-Sondershäuser „Regierungs- und Nachrichtenblattes“ ausgewählt.

1873 leitete er die Ausgrabungen am Frauenberg. In Anerkennung seiner archäologischen und archivalischen Verdienste wurde ihm 1873 der Titel „Archivrat“ zuerkannt.

Am 28. April 1879 verstarb Professor Irmisch.

Porträt Edmund Döring
Edmund Döring, Lehrer und Heimatforscher

(10.01.1860 – 09.03.1938)

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Am 10. Januar 1860 wurde Edmund Döring in Sondershausen geboren.

Nach der Realschule war er von 1876 bis 79 im fürstlichen Landesseminar in Sondershausen und legte die Prüfung als Schulamtskandidat ab.

Seine Tätigkeit als Pädagoge begann in Behringen. 1886 kam er an die Bürgerschule in Arnstadt, wo er zwei Jahre später an der dreiklassigen, mit einer Vorschule verbundenen Realschule unterrichtete.

Einige Jahre später kehrte Edmund Döring nach Sondershausen zurück. Er unterrichtete in seinen Lieblingsfächern Erdkunde und Naturkunde an der Realschule und später am Gymnasium. Kurz nach der Jahrhundertwende wird nach seinen Plänen der botanische Schulgarten errichtet.

Im Jahre 1918 wird er zum Oberlehrer ernannt. Edmund Döring ging 1923 in den Ruhestand und wurde auf fürstliche Empfehlung Ordentliches Mitglied des Vereins für Geschichte und Altertumskunde. Mit dem Verein sind Namen wie Kieser, Irmisch, von Wolffersdorf, Töpfer, Apfelstedt und Lutze verbunden. Durch unermüdliches Forschen, fleißige Lektüre, scharfe Naturbeobachtung erwarb sich Döring die Kenntnisse zu diesem nebenberuflichen Ehrenamt. Parallel zum Geschichtsverein entstand das sogenannte Museumskränzchen. Beide Vereine ergänzten sich und trugen dazu bei, dass 1910 die städtischen Sammlungen, das fürstliche Naturalienkabinett und die Sammlung des Geschichts- und Altertumsvereins zu einem Museum vereinigt wurden. Bis zuletzt blieb Edmund Döring sachkundiger Obmann.

Am 8. März 1938 verstarb er in seinem Haus Gartenstraße 5 in Sondershausen. Dort erinnert noch heute eine Gedenktafel an den Lehrer und Heimatforscher.

Erwähnenswert ist, dass Edmund Döring neben seinem Lehrerberuf und seinen vielseitigen heimatkundlichen Forschungen 50 Jahre in der öffentlichen Fürsorge das Amt mit großem Eifer und Pflichttreue geführt und seiner Vaterstadt unvergängliche Dienste erwiesen hat.

Porträt Carl von Bloedau, Dr. med.
Carl von Bloedau, Dr. med., fürstlicher Geheimrat und Leibarzt zu Sondershausen

(11.08.1804 – 07.11.1886)

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Carl von Bloedau wurde am 11. August 1804 in Sondershausen geboren.

Er studierte in Göttingen Medizin. Nach dem Ablegen des Staatsexamens promovierte er 1827 in Berlin. Im selben Jahr erhielt Bloedau durch Günther Friedrich Carl I. die Zulassung zur Eröffnung einer medizinischen und chirurgischen Praxis.

Fürst Günther Carl II. ernannte ihn 1835 zu seinem Leibarzt. Kurze Zeit später wurde er in den erblichen Schwarzburg-Sondershäuser Adelstands erhoben.

Als Mitbegründer und langjähriges Vorstandsmitglied des örtlichen „Vereins gegen Hausbettelei“ und der „Herberge zur Heimat“, wahrte von Bloedau die Interessen Minderbemittelter. Im Jahr 1845 wurde er in das Medicinal-Kollegium der Landesregierung berufen.

Die Ernennung zum Geheimen Medicinalrat erfolgte 1846 und 1850 wurde er zum „Vortragenden Rat für Medicinalangelegenheiten“ am Fürstlichen Ministerium.

Wegen eines Augenleidens mußte Dr. von Bloedau seine amtliche Tätigkeit vorzeitig einstellen. Als Dank wurde ihm zum Abschied der Titel Geheimrat verliehen.

Im Jahr 1853 kaufte von Bloedau das Kanzlerhaus in der Burgstraße. Für einhundert Jahre blieb das Haus im Besitz der Familie.

Zu seinem 50jährigen Dienstjubiläum 1877 wurde ihm vom Fürstenhaus und seiner Heimatstadt Sondershausen das Fürstlich-Schwarzburgische Ehrenkreuz I. Klasse mit Brillanten und der Königlich-Preußische Kronenorden II. Klasse verliehen.

Die Residenzstadt zeichnete ihn mit dem Ehrenbürgerrecht aus.

An den Ehrenbürger seiner Vaterstadt erinnern heute die Bloedau-Straße, die mit ihrer Anlage 1913 seinen Namen erhielt und die Marmorgedenktafel am Bloedauschen Wohnhaus.

Bloedau starb am 07. November 1886.

Carl von Bloedau wirkte zum Segen der Sondershäuser Bevölkerung als ein wahrer Wohltäter seiner Mitmenschen.

Porträt Carl Scheppig
Carl Scheppig, Berühmter Schüler von K. Friedrich Schinkel

(1803 – 1885)

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Am 18. Januar 1803 wurde Scheppig in Berlin geboren. 1836 berief Fürst Günther Friedrich Carl II. diesen bewährten Architekten als Hofbaumeister nach Sondershausen. Scheppig wurde zum Baurat und Landesbaumeister mit Sitz und Stimme in der fürstlichen Kammer ernannt. Er leitete die klassizistische Umgestaltung des Schlosses und seiner Umgebung mit Umsicht, Weitblick und außergewöhnlichem Können ein.

Er gestaltete „Die alte Wache“ als Abbild der weltbekannten Berliner „Neue Wache“ für den Fürsten. Scheppig fügte die Wache am Markt in die von 1837 bis 1839 erbaute harmonisch abgestimmte Gruppierung von Schlossterrasse und Schlosstreppe hervorragend ein.

Im Jahre 1837 gestaltete er den Lohplatz um. Von 1842 bis 1850 wurde unter Scheppig der Westflügel des Schlosses vollständig umgebaut und der Weiße Saal weitgehend verändert. In den Jahren von 1847 bis 1853 entstand unter seiner Leitung der Marstall westlich des Schlosses, das Gerichtsgebäude und das Gefängnis.

1853 wurde Scheppig ordentliches Mitglied des “Vereins für deutsche Geschichte und Altertumskunde” im Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen. Als langjähriger Chef des Bauwesens im Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen verfolgte er das Geschehen auf dem Gebiet der bildenden Künste.

Aufgrund verdienstvoller Wahrnehmung baulicher Aufgaben wurde Scheppig 1857 zum Oberbaurat ernannt.

Carl Scheppig verstarb am 22. Februar 1885 in Sondershausen.

Er hat die Baugeschichte Sondershausens über mehrere Jahrzehnte durch seine hervorragenden Leistungen in unverkennbarer Weise beeinflußt und bleibende Zeugnisse der Baukunst geschaffen.

Porträt Johann Günther Friedrich Cannabich
Johann Günther Friedrich Cannabich, Geograph

(1777 – 1859)

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Cannabich wurde am 21. April 1777 in Sondershausen geboren.

Er studierte Theologie an der Universität in Jena. Obwohl es noch keine geographischen Lehrstühle gab, bildete er sich intensiv und äußerst erfolgreich in der Geografie.

Von 1807 bis 1819 war er Rektor an der Lateinschule in Greußen.

In den Jahren 1816 bis 1818 erschien sein Werk, das Lehrbuch der Geographie, das schon zu seinen Lebzeiten 17 Auflagen erreichte.

1819 bis 1835 wirkte Cannabich als Pfarrer in Niederbösa. Während dieser Zeit schuf er sein mehrbändiges Handbuch der Erdbeschreibung von 1827, welches damals ein geographisches Standardwerk darstellte.

Im Jahr 1835 wurde ihm die Pfarrstelle in Bendeleben übertragen. Auch hier beschäftigte er sich weiterhin mit geographischen Studien.

Er liebte seine Geburts- und Heimatstadt Sondershausen sehr, deshalb kehrte er im Ruhestand dorthin zurück.

Am 03. März 1859 verstarb Johann Günther Friedrich Cannabich in Sondershausen.

Porträt Moritz Schoenlank
Moritz Schoenlank, Jüdischer Kantor (Chasan), Religionslehrer und Schächter

(30.12.1830 – 13.10.1920)

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Die Familie Schoenlank stammte aus der Provinz Posen, wo auch Moritz Schoenlank in der Kleinstadt Wronke an der Warthe (heute: Wronki) geboren wurde. Nach dem Besuch der traditionellen jüdischen Elementarschule und dem Erwerb der Befähigungen zur Arbeit als Kantor (vor allem Liturg bzw. Vorsänger im Synagogengottesdienst), Religionslehrer und Schächter (ritueller Schlachter) fand er erste Anstellungen in Landsberg/Warthe (heute: Gorzów) und Mühlhausen/Thüringen.

Seit den Peßach-(Passah-)Feiertagen im Jahr 1864 bis zu seinem Tod lebte und wirkte Moritz Schoenlank in Sondershausen. Wie die vom Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Rudolph David 1926 verfasste Schrift zum Jubiläum der Synagoge berichtet, war Moritz Schoenlank eine prägende Gestalt und bewahrende Kraft innerhalb seiner Gemeinde. Gemeinsam mit dem Rabbiner Philipp Heidenheim leitete er das religiöse und geistige Leben dieser Gemeinschaft über viele Jahrzehnte.

Moritz Schoenlank war dreimal verheiratet und Vater von sieben Kindern. Neben dem frühen Tod seiner ersten beiden Ehefrauen und mehrerer Kinder dürfte für ihn vor allem die Abkehr seines ältesten Sohnes Bruno vom Judentum ein Schicksalsschlag gewesen sein.

Noch im hohen alter leitete Moritz Schoenlank Synagogengottesdienste und unterwies Kinder in der hebräischen Sprache und religiösen Gebräuchen. Eine fast vollständige Erblindung zwang ihn 1910 zur Beendigung dieser Tätigkeit. Mit dem Tod Moritz Schoenlanks zehn Jahre später verlor nicht nur die jüdische Gemeinde, sondern auch die Stadt Sondershausen insgesamt eine herausragende Persönlichkeit.

(Autor: Dr. Carsten Liesenberg, Rostock)

Porträt Bruno Schoenlank
Bruno Schoenlank, Politiker und Journalist

(16.05.1859 – 30.10.1901)

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Als ältester Sohn des jüdischen Kantors Moritz Schoenlank in Mühlhausen/Thüringen geboren, wuchs Bruno Schoenlank ab 1864 in Sondershausen auf, wo er 1878 als Jahrgangsbester im Gymnasium das Abitur ablegte. Ein philologisches Studium in Berlin, Leipzig und Kiel schloss Bruno Schoenlank 1882 mit der Promotion in Halle ab.

Ab etwa 1883 wandte sich Bruno Schoenlank der sozialdemokratischen Bewegung zu, deren Aktivitäten unter den Bismarckschen „Sozialistengesetzen“ weitgehend illegal waren. Schoenlank brach die Verbindungen zum Elternhaus und zum Judentum ab, lebte in München und Nürnberg, verfasste zahlreiche Beiträge und Schriften, die die soziale Lage der arbeitenden Schichten kritisierten und verbüßte mehrere Haftstrafen. Ab 1890 arbeitete er in der Redaktion der Zeitung „Vorwärts“ in Berlin und verfasste 1891 gemeinsam mit Karl Kautsky das beim Erfurter Parteitag verabschiedete Programm und die Forderungen der SPD.
Ab 1893 vertrat Bruno Schoenlank die sozialdemokratische Partei auch im Reichstag und nahm weiterhin Stellung zu ihren Grundsatzfragen. Seine Bedeutung für diese wichtige politische Bewegung wird in der historischen Betrachtung jedoch bisher tendenziell auf die publizistische Tätigkeit beschränkt. Seine überaus erfolgreiche Tätigkeit als Gründungs- und Chefredakteur der „Leipziger Volkszeitung“ ab 1894 begründete seinen Ruf als „Reformer der sozialdemokratischen Tagespresse“. Schoenlank arbeitete hier eng mit Rosa Luxemburg zusammen. Ohne die Publikationsmöglichkeiten in dieser Leipziger Zeitung wäre ihre herausragende Stellung für die deutsche Arbeiterbewegung kaum denkbar.

Nach längerer Krankheit starb Bruno Schoenlank bereits im Alter von 42 Jahren. Alle vier Kinder, Reinhold (1890–1960), Bruno jun. (1891–1965), Helmuth (1893–1915) und Clara-Hildegard (1897–1986), waren in der deutschen Arbeiterbewegung engagiert und nach 1933 Verfolgungen ausgesetzt. Besonders hervorzuheben ist dabei der Kampf Reinholds gegen den Stalinismus innerhalb der KPD und nach 1945 und das Wirken Brunos (jun.) als Arbeiterdichter (Gedichte, Märchen und damals sehr populäre „Sprechchorwerke“ für Massenveranstaltungen).

Nach Bruno Schoenlank (sen.) ist eine Straße in Sondershausen-Stockhausen benannt.

(Autor: Dr. Carsten Liesenberg, Rostock)