Wirtschaftsgeschichte

Die Bürger der Stadt Sondershausen waren früher Handwerker und Händler, deren Wirkungskreis zu keiner Zeit über den örtlichen bzw. regionalen Rahmen hinauswuchs. Mit dem Ausbau der Stadt als Residenz erschlossen sich neue Erwerbsquellen in Verwaltung und Hofdienst. Daneben bildete für viele Stadtbürger die kleine landwirtschaftliche Produktion eine wesentliche Grundlage ihrer Existenz.

Ende des 19. Jahrhunderts setzte die Industrialisierung ein. Von 1893–1912 nahmen sechs Kalischächte die Produktion auf. Sondershausen entwickelte sich in der Folgezeit zu einem Kalistandort mit Exportverbindungen in alle Welt und zu einem Zentrum der Kaliforschung.

Mit Lindner & Co. 1902 und Brunnquell & Co. 1913 begann in der Stadt die Produktion von elektrotechnischen Artikeln, die mit ELSO, WAGO und SONLUX bis zur Gegenwart Bestand hat.

Handwerk

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Der Handwerkerstand bildete in den meisten Stadtgemeinden den Grundstock der Einwohnerschaft. Auch in Sondershausen haben die Handwerker die Mehrheit in der Bürgerschaft gebildet. Bis in das 19. Jahrhundert hinein waren es Handwerker, die als Bürgermeister, Kämmerer oder Bierleute das Stadtregiment geführt haben.

Da Sondershausen um 1300 Stadtrecht erlangt hat, kann man annehmen, dass von dieser Zeit an die Handwerker sich zu Gilden zusammenschlossen und Innungen gebildet haben. An der Spitze einer jeden Innung standen ein oder zwei Obermeister und ebensoviel Beisitzer, welche auf die Befolgung der Innungsartikel zu achten, die Versammlungen zu leiten und den Nutzen des Handwerkes möglichst zu fördern hatten.

In die Innungen konnte aus der Stadt und dem Amte Sondershausen aufgenommen werden, wer das Handwerk gut und ausreichend gelernt, einen Heimatsschein vorgelegt und die üblichen Gebühren an Amt und Handwerk gezahlt hatte. Die älteste, heute nachweisbare Innungsliteratur unserer Stadt stammt aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert. Der älteste vorliegende Innungsbrief in Urschrift ist der der vereinigten Schuster und Gerber aus dem Jahre 1555.

Die ältesten Eintragungen in den Kirchenbüchern nennen u.a. folgende Handwerker:

1555 Kaspar Kleinschmied als Schlosser
1558 Hans Wiederhain als Hoftischler
1598 Barthel Rosental und Johann Pomerell als Goldschmiede
1617 Hans Kegel als Seifensieder
1617 Johann Schmidt als Buchbinder und Bürgermeister
1618 Andreas Hake als Kürschner
1620–24 In diesen Jahren sind Kleinschmiede, Böttcher, Glaser und Schwarzfärber eingetragen
1624 Sanndel, Seifensieder in der Bebergasse
1676 Hans Adolf Ohle als Kleinbäcker
1680 Kaspar Martin Herbstleb als Seiler
1683 Hans Brückner als Schlosser
1684 Albrecht Reinecke als Sporer

Aus den Kirchenbüchern lassen sich seit 1555 noch weitere Gewerbe feststellen: Sattler, Wagner oder Stellmacher, Teppichmacher, Färber, Bortenmacher, Drechsler, Kammacher, Schornsteinfeger, Müller, Zeug- und Raschmacher, Steinmetzen und Tüncher, Göltzenbürgen (Schweineschneider), Korb- und Perückenmacher und Schwertfeger (Verfertiger der Hieb- und Stoßwaffen).

Aus Meister- und Lehrlingslisten und Petschaften können u.a. noch folgende Zünfte im alten Sondershausen nachgewiesen werden:

1640 Hufschmiede
1682 Beutler
1727 Töpfer



Eine wesentliche Änderung der Innungsrechte erfolgte am Anfang des 19. Jahrhunderts. Im Jahre 1844 wurde das Allgemeine Innungsgesetz eingeführt, welches mit den Resten des völlig veralteten Zunftwesens aufräumte. Damit war auf gesetzlicher Grundlage eine fortschrittliche Entwicklung angebahnt, um welche sich der schon 1837 gegründete Gewerbeverein bemüht hatte. Ein Werk des Gewerbevereins war die Einrichtung einer Handwerkschule, in der die Lehrlinge des Baugewerbes im Zeichnen und Rechnen unterrichtet wurden.

Elektro

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In Sondershausen reicht der Beginn der Herstellung von Erzeugnissen der Elektrotechnik bis ins Jahr 1898 zurück. In Jecha hatten die Gebrüder Flick, aus Ruhla stammend, bereits um 1895 eine ehemalige Mühle erworben und dort die Fabrikation von billigen Taschenuhren, sogenannten “Kyffhäuser-Uhren”, aufgezogen. Auf Grund besserer Profitmöglichkeiten, stellte Flick schnell auf die Fertigung von Sicherungen, Fassungen, Schaltern und ähnlichem um.

Nach einem Konkurs 1901 übernahm, im Auftrag eines Gothaer Bankhauses, Kurt Lindner die Leitung der Fabrik. Die Firma Lindner & Co wurde zur Spezialfabrik für elektrotechnische Erzeugnisse und entwickelte sich zu einem führenden Unternehmen für Nieder- und ab 1924 auch für Hochspannungsapparate.
Von 1910 bis 1913 erfolgten größere Erweiterungsbauten. Niederlassungen in Eger (Böhmen) und Paris wurden eingerichtet. In diesen Jahren wird eine weitere elektrotechnische Firma gegründet. Zum Fertigungsprogramm der Firma “Brunnquell & Co.” gehörten Rosetten, Lüsterklemmen, Porzellanleuchter, Armaturen, Pendelaufzüge für Leuchten, Abzweigringe und –dosen. 1925 beschäftigte die Firma Lindner & Co über 1.100 Arbeiter und Angestellte.

Mit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929 mussten beide Unternehmen die Belegschaft drastisch reduzieren. Im 2. Weltkrieg wurden die Betriebe in die deutsche Rüstungsproduktion einbezogen. 1946 wurde die Demontage des Gesamtbetriebes durch die sowjetische Besatzungsmacht verfügt und mehr als 90 Waggons mit Werkzeugmaschinen traten den Weg in den Osten an. Der Lindnersche Betrieb wurde im Sinne des Volksentscheides vom 30. Juni 1946 enteignet und am 01.06.1948 in Volkseigentum überführt. Im gleichen Jahr erfolgte die Zusammenlegung beider Sondershäuser Elektrobetriebe. Kurt Lindner zog mittellos nach Eggolsheim, wo seit 1938 ein Zweigbetrieb existierte.

Noch 1954 wurden Massenbedarfsgüter vorwiegend aus Abfallmaterialien hergestellt. Die Palette reichte von Eisenuntersetzern, Ständern für Bügeleisen, Aufhängehaken für Töpfe und Kannen, Schlüsselaufhängerleisten, bis zu Schnallen für Rucksäcke u.v.m. Ab Mitte der fünfziger Jahre wurden neue Produkte wie elektrische Rauchverzehrer, UKW-Antennen oder Nachttischleuchten gefertigt. Als erste Betriebserweiterung nach dem Krieg erfolgte im Jahr 1956 die Umstellung des Brennprozesses der Porzellanarmaturen von Schacht- auf Tunnelofen. 1968 wurde eine neue Metallfabrik gebaut.

Ab 1970 bildete der Sondershäuser Betrieb den Stammbetrieb des “VEB Kombinat Elektroinstallation” mit insgesamt neun Betrieben. In diesem konzernähnlichen Verbund wurde eine breite Palette von hochwertigen elektrotechnischen Artikeln gefertigt. 1975 erfolgte die Grundsteinlegung für den “Komplexbau für Installationsmaterial” und 1980 der Bau einer Galvanikanlage. Der VEB Elektroinstallation hatte vor der Wende 1989/90 ca. 3000 Arbeitnehmer.

Bergbau / Kali

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Der Nachweis von Salzen durch eine 1888 niedergebrachte Bohrung bei Bleicherode führte Bergwerksunternehmer aus ganz Deutschland nach Nordthüringen. In Sondershausen erhielt Heinrich Leopold Brügman von der fürstlichen Regierung das Recht, nach Salz zu bohren und dieses zu gewinnen. Mit der Teufung des ersten Schachtes 1893 und später weiterer fünf Schächte begann eine einhundertjährige Bergbaugeschichte in Sondershausen. Hauptprodukte waren Kalidüngemittel und verschiedene Nebenprodukte wie Brom und Magnesiumchlorid. In der Folgezeit entwickelte sich Sondershausen zu einem Kalistandort mit Exportverbindungen in alle Welt und zu einem Zentrum der Kaliforschung.

1893 Teufung des ersten Schachtes im Revier, dem Brügmanschacht, Endteufe 855 m,
Gewinnung von Carnalit und Hartsalz
1909 begann die Förderung am Schacht II, dem Petersenschacht,
das Fördergerüst erhielt offenbar angeregt durch den Pariser Eiffelturm und auf fürstliche Anordnung wegen seiner Nähe zur Residenzstadt eine anspruchsvolle äußere Form
1914 Aufnahme der Kaliumsulfatherstellung in der Fabrik
1927 Einführung von Schrappern in der Abbauförderung
1928 Bau der Mischdüngerfabrik
1937/1938 Ausbau der Schächte 3 und 4 als Heeresmunitionsanstalt
1951 Schlagwetterexplosion auf Schacht 1, zwölf Bergleute finden den Tod
1955 Gründung der zentralen Forschungsstelle der Kaliindustrie der DDR
1970 Die Bergbaubetriebe wurden in der DDR zu einem “Kombinat Kali” zusammengefasst. Sitz der Kombinatsleitung wird Sondershausen
1989 letztes Jahr der vollen Produktion mit einer Rohsalzförderung von insgesamt 2.299.400 t
1991/1991 Schrittweise Einstellung der Produktion des Kaliwerkes “Glückauf”

Hier können Sie sich über die Geschichte der Gewerkschaft "Glück auf" Sondershausen (Kaliwerk) von 1893 bis 1926 informieren. (pdf-Download)